Alpencross XXL – 2023

Jetzt wird‘s ernst!

Die Räder gehen auf eine kurze Etappe nach Oberstdorf und wir schaufeln am Vorabend unserer Tour noch ordentlich Kohlenhydrate in Form von Pizza und Pasta in uns rein.

Die ersten Tränen fließen auch schon – das wird ein Spaß 😃!

Tag 1: Einfall & Ausfall

Gerade sind wir auf unterschiedlichen Anfahrtswegen (Zug und Privatshuttle) mit unserer großen Gruppe um 8.30 Uhr in Oberstdorf eingefallen, und schon müssen wir den ersten Ausfall verzeichnen. Der Dämpfer von Nr. 14 will nicht und so muss dieser sich von seiner Frau mit dem Auto ins Lechtal fahren lassen, nachdem er sein Zweitfahrrad in Gang gebracht hat. Zusammentreffen mit der Gruppe dann für den frühen Nachmittag geplant.

Aber von Anfang an:

Mit 13 (!) Leuten geht‘s von Oberstdorf los, wo wir unsere Räder über Nacht unterstellen konnten! So eine große Gruppe waren wir noch nie, aber mit den Leuten kann es nur super werden!

Nachdem es nachts noch etwas feucht war, radelt die Karawane bei trockenem Wetter und angenehmen Temperaturen los Richtung Stillachtal und danach ins Rappenalptal.

Bei der „Schwarzen Hütte“ gibt es eine erste Stärkung, bevor wir uns auf zum Highlight des Tages machen.

Die Wirte der Hütte sind so nett – da könnte man glatt länger verweilen. Wenn man sich jetzt nicht noch ein paar Rampen zum Schrofenpass hochquälen müsste 😂.

Aber erstmal noch eine kleine Bachüberquerung!

Den Pass meistern wir dank gegenseitiger Unterstützung super!

Alle (Männer) packen mit an!

Immer wieder ein Abenteuer.

Anstrengend, aber es lohnt sich!

Nicht jeder mag nach unten schauen!

Aber die meisten überwinden die Hindernisse ganz gelassen.

Der Weg ist ja auch breit genug!

Unser Küken (zum ersten Mal beim Alpencross dabei) nimmt zeitweise sogar zwei Räder gleichzeitig Huckepack. Der darf wieder mit 😊!

Wir sind happy und stolz, dass wir alle (trocken und wohlbehalten) am Schrofenpass auf 1681 angekommen sind! Erstes Etappenziel erreicht!

Der Runterweg ist teilweise etwas matschig und nur bedingt fahrbar. Gut dass ich mir das Fahrradputzen im Vorfeld gespart habe (irgendwie hab ich gerade ein Déjà-Vu: Schrofenpass 2018…).

Am frühen Nachmittag kehren wir in Warth in der Brotzeitstube ein. Nach etwa einer Stunde kommt auch Nr. 14 an – yeah, jetzt sind wir komplett und können alle gemeinsam nach Lech runter sausen.

Ab dort geht es wieder aufwärts. Auf einem schönen Weg Richtung Spullersee.

Unser heutiges Ziel, die Ravensburger Hütte, müssen wir uns durch ziemlich langes Schieben hart erarbeiten. Aber die Landschaft ist genial und der blaue Himmel kommt raus!

Der letzte Abschnitt zur Hütte kann entweder über einen schönen Weg gemütlich erradelt werden, oder über einen Trail. Diesen probieren erstmal zwei der Jungs aus, um dann festzustellen, dass der echt für den Arsch war. (Die Kuh ist der gleichen Meinung! 😃)

Um 17.30 Uhr kommen wir an der Hütte nach etwas über 40 km und ca. 1650 Höhenmetern an.

Dort gibt es schon um 18 Uhr Abendessen (für Zimmer Nr. 19, Nummern A-N). Wir bekommen super feines Essen serviert – vegetarisch: Kässpatzen, und für fleischhungrige Mäuler: Schweinelendchen mit Kartoffeln und Gemüse, die von der coolen oberbayrischen Kellnerin einfach lauthals mit „Fleisch“! angekündigt werden. Dazu ein paar Bierchen und hinterher eine super warme Dusche (*).

*Für 3€ gibt es eine Duschmarke, mit der man 3 Minuten warmes Wasser hat! Unser Micke aus Wuppertal (formerly known as „Shuttle Joe“, dem wir heute das Wort Schumpen beigebracht haben), meint ganz stolz „3 Minuten hab ich gar nicht gebraucht, nur 2:95!“ Im Norden haben die offenbar eine andere Zeitrechnung 😊.

22 Uhr Hüttenruhe – aber davor wird im Massenlager (immerhin haben wir alle ein gemeinsames Lager; eng ist es trotzdem) noch mit Ohropax zu Höchstpreisen gedealt.

Tag 2: Suchen und fluchen

Die Nacht ist verhältnismäßig ruhig – die Schnarcher haben sich vorbildlich zurückgehalten. Trotzdem ist so eine Übernachtung im Stil einer Sardinenbüchse nicht so der Klopper.

Mega Wetter heute – blauer Himmel und keine Wolken. Vor der Hütte steppt schon der Bär!

Kurz Fahrradcheck und Gruppenfoto, dann gehts zum Spullersee runter.

Ein Teil der Gruppe probiert einen nur abschnittsweise tollen Trail aus!

Für das „Team Straße“ (👍) geht’s ganz gemütlich den schönen Fahrweg zum See runter.

Weiter abwärts sausen wir Richtung Klösterle, wobei wir etwas Zeit auf der Suche nach dem richtigen Weg verplempern. Der erste gemäß Komoot ist nicht so ganz flowig. Deswegen müssen wir umkehren. Dann finden wir aber, dank Empfehlung von Nr. 14 & Co., die bereits vorgefahren sind, einen schönen, ziemlich gut fahrbaren Weg runter ins Dorf.

Etwas oberhalb macht die „Gruppe Trail“ noch einen Abstecher über einen mega geilen Trail (wie mir berichtet wird)! Wir nehmen den normalen Weg und treffen uns mit dem Rest unten in Klösterle wieder – so kommt jeder auf seine Kosten! Im Ort gibt es erstmal Kaffee und Erfrischungsgetränke. Wir müssen uns mal wieder etwas stärken – der nächste Anstieg steht bevor (eigentlich der erste richtige für heute)!

Über 700 Meter gehts auf Forstwegen hoch zum Kristbergsattel auf 1486 m. Jetzt sind wir schon im Montafon!

Das Geschraube bergauf fühlt sich endlos an, aber ist okay was die Steigung anbelangt!

Das Mittagessen oben entschädigt uns (und erst die Käsesahnetorte zum Nachtisch…).

Anschließend geht’s flott runter nach Schruns. Alle hart erarbeiteten Höhenmeter werden wieder zunichte gemacht.

Dann kommt der Teil mit dem Fluchen – am Ende geht es noch 10 km und 700 Höhenmeter hoch bis Gargellen. Zwar auf Asphalt, aber nicht minder anstrengend. Immerhin hat der Wettergott ein Einsehen; er schenkt uns Wolken und ab und zu einen frischen Luftzug!

Ankunft: 17.30 Uhr! Heutiges Pensum: 1440 Höhenmeter und 50 km – so langsam merkt man auch den Po!

Dafür schmeckt der Aperol Spritz bei der Ankunft wunderbar!!! Wir checken in der „Pension Edelweiß“ ein und um 19 Uhr gehts nach einer wohltuenden Dusche direkt gegenüber ins Restaurant Ronna zum Essen (jetzt nur keine überflüssigen Meter mehr absolvieren…).

Die Mega Burger und Wraps sowie die BBQ Platte und das Cordon Bleu gefüllt mit Pulled Pork (als wäre ein normales Cordon Bleu nicht schon genug 😂) sind der Hammer. Die Portionen sind riesig, so dass man sogar von den zuvor hungrigsten Mitstreitern die Aussage zu hören bekommt „Mehr wäre nicht sinnvoll gewesen“.

Tag 3: Schlapp am Schlappinerjoch

In der Früh holen wir uns im Dorfladen eine kleine Brotzeit, da wir mittags keine Einkehrmöglichkeit haben.

Der Regen, der am Morgen eingesetzt hat, lässt bald nach, und so radeln wir gegen 9 Uhr los. Erstmal trotzdem noch mit Regenklamotten als Farbkleckse in der trüben Landschaft.

Heute ist zwar ein “Hintern- Erholungstag” (d.h. viel Schieben und Tragen), aber ansonsten hat der Tag nicht viel mit Erholung zu tun! Zumindest nicht für mich, da ich mir gestern irgendwie den Magen vergeigt habe (mutmaßlich mit der Käsesahnetorte), und jeder Meter, egal ob gelaufen oder gefahren, zäh ist. Ich bin dermaßen schlapp, dass sich der über 800 m hohe Aufstieg auf das Schlappinerjoch unendlich hinzieht!

Zunächst geht es in Grüppchen auf Teer bergauf (die Regenklamotten werden uns schnell zu warm) – später geht es ein Stück über einen Weg, von dem wir bereits das Joch und die anderen Farbkleckse am Hang sehen können.

Wir haben total Glück mit dem Wetter – wir bekommen lediglich ein paar kleine Tropfen ab, aber im Großen und Ganzen ist das Wetter für den anstrengenden Aufstieg optimal.

Wenn ich allerdings nicht so viele fleißige Helfer gehabt hätte, die mir mit meinem Fahrrad geholfen haben, wäre ich nie im Leben oben angekommen. Dafür herzlichen Dank an die ganze Schlepperbande!!!! Selbst ohne Fahrrad bin ich nur langsam den Berg hochgeschlichen.

Irgendwann haben wir es auf’s Schlappinerjoch geschafft. Oben ist es zwar ziemlich windig, aber eine kurze Pause zur Stärkung gibt es dennoch! Außer etwas Schokolade kann ich noch nicht viel essen, aber so langsam geht’s aufwärts, auch wenn das auf dem Bild noch nicht so rüberkommen mag.

Wobei, eigentlich geht es ab dem 2200 m hohen Schlappinerjoch jetzt wieder bergab.

Recht steil und für Team Straße nicht fahrbar. Der Rest schlägt sich beim Downhillfahren ganz gut.

Kleinere Ausrutscher und ein Übersteiger bleiben ohne größere Folgen. Lediglich die Schienbeine sind bei den meisten inzwischen nicht mehr so ansehnlich.

Unten auf der anderen Seite des Jochs erwartet uns der Berggasthof Erika mit leckeren Speisen wie Gerstensuppe und einem unaussprechlichen Schweizer Gericht mit viel Käse. Zwischendurch regnet es ein bisschen, aber unter der Markise bleiben wir trocken.

Nach einer ausgiebigen Pause radeln wir nach Klosters und nehmen noch einen kleinen Trail im Wald mit. Da vermelden wir den ersten richtigen technischen Defekt bei einem unserer „Tiere“ beim Hochstrampeln. Die Kette ist gerissen. Prompt kommt aus einem Mitglied von Team Straße der Kommentar: „Wenn er wie wir geschoben hätte, wäre das sicher nicht passiert!“ Das Problem ist dank geballtem Fahrradschrauberwissen schnell behoben, und bald geht es abwärts nach Klosters.

Kurz oberhalb des Orts kommt tatsächlich die Sonne raus! Also wieder so viel wie möglich ausziehen. Überhaupt ist das ein Tag, an dem man sich ständig aus- und anziehen muss. Regnerisch, oder doch nicht, schweißtreibend bergauf, windig oben, sonnig – alles dabei.

Etwa die Hälfte entscheidet sich den Zug nach Davos zu nehmen (statt nochmal 500 Höhenmeter nach Davos zu fahren), der Rest wählt Variante 3 und fährt mit der Gotschnabahn zur Mittelstation und von dort einen etwas wurzeligen, aber laut mehrheitlicher Meinung schönen Trail runter bis Davos.

Am Bahnhof geht’s für die erste Gruppe eine schöne Rampe zum Bahnsteig runter. Team Straße kommentiert: „Das war aber ein flowiger Trail – endlich mal einer, den ich auch fahren kann“.

Heute sind wir im „Davos Youth Palace“ untergebracht – klingt hochtrabend, aber ist einfach eine Jugendherberge mit Stockbetten. Immerhin haben wir Dreier- und Viererzimmer bekommen. Ist nicht so schlecht – und so groß war die Auswahl an bezahlbaren Unterkünften für 14 Leute in Davos nicht.

Abends wandern wir zum Essen ins Dorf runter – plötzlich fängt es zu gewittern an, und wir sitzen ein bisschen bedröppelt an der Bushaltestelle 😃. Bald darauf wird es schon besser und wir schaffen den Weg ins Restaurant noch trocken!

Tag 4: Scaletta trotz widrigem Wetter

7 Grad am Morgen in Davos – über Nacht hat es geregnet, so dass in der Früh noch ein paar Nebelschwaden in der Luft liegen, aber immerhin scheint die Sonne!

Optimistisch wie wir sind, tragen wir Sonnencreme auf!

Bis wir loskommen, hat sich die Sonne allerdings schon wieder verzogen. Wir radeln zunächst auf einer Teerstraße mit angenehmer Steigung und umgeben von einer traumhaften Landschaft Richtung Dürrboden.

Am Ende des Tals gönnen wir uns eine Pause im Gasthof, trinken Kaffee und genießen den leckeren (wenn auch teuren) Apfelkuchen. (Hier in der Schweiz ist das Preisniveau doch deutlich höher als bei uns – aber alles super lecker und die Leute sehr freundlich.)

Als wir noch im Gasthof sitzen, fängt es an zu regnen. Wir warten den Regen ab und starten unseren Aufstieg auf den Scaletta-Pass im Trockenen, während ein kleiner Teil unserer Gruppe direkt ohne Pause Richtung Pass losgezogen ist.

Der noch etwa 800 Meter hohe Aufstieg ist einfacher als der Aufstieg zum Schlappinerjoch, da er nicht so steil ist und es gibt auch kaum große Felsen, über die man die Räder hieven muss. Allerdings fängt es zwischendurch wieder zum Regnen an und wir müssen auch heute unsere Regenklamotten anziehen.

Mittags kommen wir etwas durchnässt auf der Passhöhe des Scaletta-Passes auf 2600 m an. Es ist recht windig, aber wir sind schon froh, dass es immerhin keinen Schnee hat.

Ein paar Leute sind ziemlich durchgefroren. Mit Gruppenkuscheln und Workouts in der Schutzhütte schaffen wir es aber, wieder einigermaßen warm zu werden.

Der Abstieg ist super – einige fahren, der Rest schiebt. Der Regen hat wieder aufgehört . Einmal donnert es zwar, aber das schlechte Wetter scheint sich langsam zu verziehen.

Ab den Schweinen ist alles sehr flowig!

Die süßen Kleinen haben vorhin wohl unseren Flachlandtiroler aus Wuppertal beschnuppert, der tatsächlich die Passhöhe als Erster erreicht hat 💪.

Auch uns laufen sie noch ein Stück hinterher, als wir vorbeifahren.

Die Fahrt runter ins Tal ist der Wahnsinn. Ein absolut geiler, ewig langer Weg, der super zu fahren ist. Die Sonne kommt sogar ein bisschen raus und wir sausen dem Regen, der uns im Nacken sitzt, im Eiltempo davon.

Fast unten – nicht weit weg von S-Chanf – treffen wir auf die Gruppe, die den Pass zuerst überquert hat, an einer gemütlichen Hütte.

Dort stärken wir uns zur Abwechslung mit Gerstensuppe und Bier, bis uns der Regen wieder einholt. Also trinken wir noch ein Bier und als es aufhört zu regnen starten wir auf die letzte Etappe mit etwa 200 Höhenmetern nach Varusch.

Dort übernachten wir in der „Parkhütte Varusch“, einer idyllisch gelegenen schnuckeligen Hütte im Wald. Traumhaft!

Nach 35 km und 1200 Höhenmetern schmeckt uns das Abendessen wunderbar. Um 22 Uhr, pünktlich zur Hüttenruhe, gehen wir alle müde und zufrieden schlafen, nachdem jeder noch die magischen Magnetrollen von Captain K. ausprobiert hat und wir den Abend meditativ haben ausklingen lassen.

Tag 5: Zug um Zug

Heute trennen wir uns gleich in der Früh. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt geht’s um kurz vor 9 Uhr los! Auf den Bergspitzen sieht man, dass es etwas Neuschnee hat (wobei das wahrscheinlich sogar weniger ist als es heute Nacht auf dem Nebelhorn geschneit hat, wie uns von daheim berichtet wird). Aber die Hoffnung auf schönes (zumindest trockenes) Wetter besteht!

Team Straße & Friends nimmt heute den Zug ab S-Chanf über Pontresina nach Ospizio Bernina. 1 1/4 Std. Fahrtzeit durch eine beeindruckende Landschaft (mit Blick auf den Piz Bernina mit seinem beeindruckenden Bianco-Grad und den Morteratsch Gletscher). Die Räder werden im Zug wild gestapelt, aber alles klappt wie am Schnürchen.

Ab dem bereits auf 2250 m hoch gelegenen Ospizio an einem türkisen See gelegen wird es windig und kalt. Auch die Luft ist merklich dünner.

Wir fahren bzw. wandern fast 300 Meter hoch (und ab und zu wieder runter), bis auf knapp unter 2500 m.

Die Landschaft ist toll, aber es zieht sich bis Livigno, da wir hauptsächlich abseits der Straße unterwegs sind.

Uns kommen unzählige Freaks entgegen, die die Trails nach oben fahren; die meisten sogar ohne Motor. Respekt – dagegen sind wir ganz schöne Luschen 😉.

Um 15 Uhr kommen wir erst (nach ca. 27 km Fahrt) im Biergarten bei Livigno an, wo wir mit dem Rest zusammentreffen.

Die anderen haben am Vormittag den Chaschauna Pass mit 2694 m bezwungen (1000 Höhenmeter Aufstieg). Der Weg zum Pass ist offensichtlich im Gegensatz zu den vorigen Übergängen relativ gut fahrbar! Auf alle Fälle kommt die Gruppe trotz deutlich mehr Höhenmetern bereits Stunden vor uns am Treffpunkt an 🙈!

In Livigno kommt mit uns auch endlich die Sonne an! Das besänftigt die wartenden Gemüter ein wenig. Und für mich ist die große Portion Spaghetti Bolognese bei Sonnenschein dringend notwendig.

Dann geht es nochmal fast 600 Meter hoch – erstmal größtenteils schieben. Die Landschaft wird immer beeindruckender.

Danach rollen wir auf tollen Wegen an einem türkisblauen Stausee bergab.

Später führt uns eine hammermäßige Passstraße nach Bormio hinunter, und wir werden, nachdem es etwas zu regnen angefangen hat, von einem gigantischen Regenbogen begleitet.

18.15 Ankunft in Bormio bei Sonne.

Wir checken in unserem Hotel „San Vitale“ im Zentrum ein – was für ein Glücksgriff! Alles ist super neu und komfortabel. Sogar Wein und leckere Brötchen gibt es für die Gäste im Zimmer. Und das Hotel bietet einen Wäscheservice für die müffelnden Klamotten an.

Zum Abendessen wandern wir nur ein kurzes Stück bis zur Pizzeria Sunrise. Heute gibt‘s auch mal ein paar Weinchen zur leckeren Pizza dazu!

Tag 6: Varianten und Tornanten

Wir teilen uns wieder in Grüppchen auf – heute gibt es mehrere Varianten. Ich entscheide mich für die Bergbahn Bormio 2000….

Team Straße & Friends ist mit von der Partie. Kommentar von Micke: „Aus technischen Gründen bleib ich bei der Damengruppe, und außerdem hab ich Hennaprupfa!“ (Mit der Aussprache hapert es noch ein wenig, aber so langsam wird‘s mit den Allgäuer Fachausdrücken!)

So sparen wir uns etwa 400 anstrengende Höhenmeter über steile Waldwege. Bei uns geht es ab der Bergstation ziemlich lang bergab, bis wir zufällig an einer Gabelung auf den Rest der Gruppe treffen, die sich hochgekämpft hat. Wieder einmal nicht ohne technische Folgen – Kettenriss Nummer 2 am gleichen Fahrrad wie kürzlich! Aber auch ein zweites Kettenschloss kann von unserem kompetenten Serviceteam eingebaut werden und rettet die Situation!

Gemeinsam fahren alle nach Santa Caterina ab, von wo aus ein Teil eine Bergbahn nimmt, um dann von weiter oben über einen Trail auf etwa die halbe Höhe des Gaviapasses abzufahren. Der Rest, mich eingeschlossen, geht den Gaviapass direkt von unten an. Das Schild verrät uns, dass es 883 Höhenmeter auf einer Strecke von 13,25 km zu bewältigen gilt.

Das Wetter ist genial! Langsam kommt die Sonne raus, aber es ist dennoch nicht zu heiß. So geht es Tornante um Tornante in gemütlichem Tempo die Straße hoch! Die Steigung ist optimal, so dass man nicht allzu sehr ins Schnaufen kommt, aber man braucht definitiv einen langen Atem. An einer schönen Stelle zum Pausieren und Power-Riegel essen treffe ich einen Mindelheimer, der mit dem Motorrad unterwegs ist und meint „Da hasch ja no einiges vor dir!“

Danke auch für die aufmunternden Worte…Weiter geht‘s!

Nach dem Passieren einer riesigen Schafherde, kurzzeitigem schweren Ankämpfen gegen ziemlich starken Wind und dem beeindruckenden Blick auf einen Gletscher in der Ferne erreiche ich nach ca. 2 1/2 Stunden die Passhöhe auf 2652 Metern!

Es fühlt sich genial an, das geschafft zu haben (bisher kannte ich den Pass nur vom Motorradfahren).

Die meisten anderen sitzen schon auf der Terrasse des Rifugio Bonetta. Ein Teil der Trailgruppe trifft auch bald ein, nachdem wir oben angekommen sind. Die Gulaschsuppe und der Aperol Spritz sind wichtig, um neue Energie zu tanken!

Wir klettern noch zur Schutzpatronin der Fahrradfahrer hoch und genießen das Panorama!

Die Runterfahrt ist abenteuerlich, aber genial! Sehr enge Straße mit wilden Kurven, zum Glück ist wenig Verkehr! Ab und zu bleiben wir stehen, entdecken noch ein paar Gämsen mit süßem Nachwuchs und sausen voller Glücksgefühle runter nach Ponte di Legno!

Als wir durch einen stockdunklen Tunnel fahren müssen, dessen Ende erst einmal nicht absehbar ist, wird uns allerdings kurzzeitig etwas mulmig. Später macht jemand einen guten Vergleich: „Ich hab noch ein 8-minūtges Video von dem inneren meiner Hosentasche gemacht – da war es genauso dunkel wie im Tunnel!“

Aber es ist alles gut gegangen und wir kommen sogar relativ früh (ca. 16.30 Uhr) im Hotel Cristallo mit traumhaftem Blick über Ponte di Legno an!

Wir gönnen uns ein Bierchen und einen Spritz auf der Hotelterrasse und sonnen uns anschließend noch auf der Wiese hinter dem Hotel!

Das tut richtig gut, nach ca. 1200 Höhenmetern hoch und 1850 runter, bei 44 km Strecke (für ein paar von uns waren es sogar 1600 Höhenmeter hoch).

Zum Abendessen laufen wir ins Restaurant „La Pergola“. Als der Kellner bei einer Bestellung plötzlich verlauten lässt, dass es keine Spaghetti mehr gibt, fallen wir vom Glauben ab! Einziger Kommentar: „Jetzt geht’s bergab mit Italien – Spaghetti sind aus 🙈!“

Auf dem Rückweg zum Hotel gönnen wir uns noch ein Gelato, und an der Hotelbar einen Campari Spritz als Betthupferl.

Das war vielleicht wieder ein wahnsinnig toller Tag!!!

Tag 7: Humba humba tätärääää

Ein bisschen schwermütig und gleichzeitig voller Vorfreude gehen wir auf die letzte Etappe!

Bei blauem Himmel und noch angenehmen Temperaturen starten wir Richtung Süden. Meist führt uns die Strecke bergab, auf schönen Radwegen. Nur kurze Passagen müssen wir auf der Straße fahren.

Zum Glück hat die Routenplanung doch noch eine kleine Dschungelprüfung für uns parat. Wir hatten schon befürchtet, dass wir diesmal ohne ungeplante Tragepassagen im Wald auskommen müssen. Allerdings ist es nicht Komoot, was uns auf eine falsche Fährte gelockt hat, sondern eine Großbaustelle am Fluss nach einem Murenabgang. Den eigentlich gesperrten Radweg können wir nach diesem kleinen Hindernis trotzdem befahren.

Später dürfen wir dann auch noch einen Bach überqueren, der so tief ist, dass ein paar von uns lieber auf rutschigen Steinen balancieren und das Rad auf die andere Seite schieben als mitten durchzufahren.

Wir passieren kleine Örtchen bei schwankenden Temperaturanzeigen von 27 bis 38 Grad, wobei es wahrscheinlich so knapp an die 30 Grad hat, was mit dem Fahrtwind einigermaßen erträglich ist. Einmal müssen wir noch für einen Service-Einsatz halten (Tausch der Bremsbeläge) und sind froh, eine kurze Pause im Schatten zu haben. Nach gut 50 km machen wir Mittag in Breno.

Es gibt jemand, der dringend eine besondere Stärkung braucht, die bei den meisten nur verständnisloses Kopfschütteln hervorruft.

Nach der wichtigen Pause rollen wir weiter. Jetzt lautet die Devise: „Sobald ich den Iseo(see) seh, ist ein Aperol Spritz fällig!“

Ersteres ist nach 80 km der Fall. Endlich!!! Jetzt haben wir es fast geschafft.

Den Spritz trinken wir aber erst weiter unten, da wir bis Iseo am südlichen Ufer des Sees noch ein gutes Stück vor uns haben.

Der Weg führt uns direkt am See entlang, durch eine Galerie mit Graffitis, ansonsten links die Felsen, rechts der schimmernde See.

Wenige Kilometer vor dem Ziel dann der langersehnte Spritz in der Bar Pistakkio in Sulzano. Eine sehr chillige Bar am See (mit idiotischem Bestell- und Zahlungssystem), wo wir der Probe eines etwas freakig aussehenden, aber begnadeten Pianisten zuhören können, der am Abend dort auftritt. Sehr cool!

Manch eine geht auch schon auf Tuchfühlung mit dem Wasser.

Die letzten 6 km bis Iseo radeln wir ganz entspannt, um gegen 18.30 nach 103 (!) Kilometern und 420 Höhenmetern im Ambra Hotel direkt am See anzukommen.

Wir sind happy und stolz, dass wir alle zusammen die lange Schlussetappe gemeistert haben.

Die Freude ist nicht nur auf unserer Seite. Die Gäste im angrenzenden Lokal amüsieren sich auch köstlich, als wir am Ende noch ein kleines Tänzchen vollführen 😂.

Nach einer wohltuenden Dusche und mit den frischen Klamotten, die wir uns ins Hotel hatten schicken lassen, genießen wir im El Taller auf einem wunderschönen Platz ein 5-Gänge Menü.

Zum Abschluss des Abends gehen wir noch auf ein paar Bierchen und Cocktails ins Mamamya!

Tag 8: Radlos

Ohne Fahrrad sind wir erstmal völlig planlos. Wir schlafen aus und frühstücken gemütlich. Dann teilen wir uns auf. Zusammen mit ein paar anderen fahre ich mit dem Boot zur Monte Isola, der schönen Insel im Iseo-See! Die anderen schlendern im Ort umeinander und relaxen am See.

Endlich Urlaub 😂!

Auf der Insel wandern wir ein bisschen an der Promenade entlang und genießen den lokalen Schaumwein Franciacorta, der eine leichte Champagnernote hat. Sehr lecker und erfrischend!

Mittags essen wir (nach Überbrückung der Zeit bis 13 Uhr mit einem Moretti am Seeufer) in einem tollen Lokal feinen Fisch! Die Portionen sind nicht sehr üppig, aber später gibt’s zum Spritz wieder Knabbereien dazu, so dass wir insgesamt gut über den Tag kommen 😉.

Bei der Rückfahrt mit dem Boot sind wir etwas müde. Ganz schön anstrengend, so ein Faulenzertag 😂.

Am Nachmittag machen wir uns auch auf zum Strand, der etwa 500 Meter vom Hotel entfernt ist. Das Wasser ist angenehm warm, aber dennoch erfrischend! Wem das nicht reicht, der kann sich in der Strandbar zusätzlich Kühlung verschaffen.

So vertreiben wir uns den Tag sehr gechillt und machen uns am Abend auf die Suche nach einem Restaurant. Bei Sonnenuntergang im Restaurant Lido di Platani genießen wir eine letzte Pizza und kämpfen mit widerspenstigen Langusten.

Danach geht’s in der Cocktailbar von gestern weiter. Es ist auch kurz vor Mitternacht noch unglaublich warm. Bald fängt es aber an zu regnen und wir gehen ins Hotel zurück, nicht ohne dort auch noch einen Campari- oder Aperol Spritz zu bestellen. Den müssen wir allerdings in der Lobby zu Ende trinken, da plötzlich ein unglaubliches Unwetter über uns hereinbricht und der Sturm die Sonnensegel im Nachbarlokal zerfetzt und die Schirme umbläst! Wir beobachten das Schauspiel und sind froh im Trockenen zu sein! Bald ist der Spuk vorbei und wir haben eine ruhige Nacht!

Tag 9: Shuttle statt Sattel

Bei erneut wunderschönem Wetter fahren wir um 8 Uhr zum Treffpunkt mit unserem Shuttlebus von Schmid Reisen.

Die Bikes werden auf den Hänger geschnallt und los geht‘s. Wir haben den Bus, der uns bis Reutte bringt, ganz für uns allein. Zeit zum Dösen und den Alpencross nochmal Revue passieren zu lassen.

Was für ein Erlebnis das wieder war! So eine tolle Truppe, die sich immer gegenseitig geholfen hat, wenn jemand Unterstützung brauchte. Viel harte Arbeit, sich die Berge hochzukämpfen, und noch mehr Spaß!

Bei denen, die alles gefahren sind, waren es am Ende etwa 350 Kilometer und an die 9000 Höhenmeter – bei sieben Fahrtagen! Nicht so übel 😂!

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