Scooterwandern – 2022

Aus einer in Weinlaune geborenen Idee wird Ernst. Wir gehen wieder auf Weitwandertour, nehmen aber diesmal zur Unterstützung unsere neuen Tretroller mit, Typ „Hudora Tour 200“ (mittlerweile ausverkauft bzw. nicht mehr verfügbar). Was für ein Glück, dass wir die Scooter schon vor ein paar Monaten bestellt haben, und dazu zum Schnäppchenpreis 😏. Auch wenn manch einer unsere Urlaubspläne als Schnapsidee bezeichnet, WIR sind voller Vorfreude!

Tag 1: Betzigau – Garmisch – Wallgau – Hinterriss

Montag, 8.15 Uhr. Auf geht‘s!

Bei Sonnenschein rollern wir von zuhause aus los.

Nur zwei Kilometer weiter: Die Sonne quält sich durch die Nebelsuppe.

Die ersten 6 km zum Bahnhof schaffen wir locker in 45 Minuten. Das hat schon mal gut funktioniert und wir haben noch genug Zeit für einen Kaffee. Mit dem 9€ Ticket geht’s zunächst nach Pfronten-Steinach und mit dem Schienenersatzverkehr weiter nach Garmisch-Partenkirchen. Das ist die entspanntere und landschaftlich schönere Variante im Vergleich zu der Verbindung über München. Der Bus hat etwas Verspätung, aber wir erreichen gerade noch rechtzeitig den Anschlussbus Nr. 9618 nach Wallgau.

Klappt ja wie am Schnürchen. Und wie es der Zufall will, stoßen wir direkt bei der Bushaltestelle in Wallgau auf eine Gaststätte, die uns quasi zwingt, ein Bierchen zu trinken und Würstchen mit Sauerkraut und Kartoffeln zu essen.

Jetzt sind wir gestärkt für unsere Tour. Nach der Mautstelle auf der Strecke nach Vorderriss (am Isar Ursprung entlang) packen wir unsere Roller aus und basteln sie zusammen. Ich muss noch ein bisschen üben, damit das schneller geht, aber so langsam bekomm ich den Dreh raus. Wir haben ja schon ein paar Probefahrten im Allgäu gemacht.

Bin bereit!

Dann geht‘s abwärts, meistens zumindest, und meist auch auf relativ gutem Straßenbelag. Kann sein, dass uns ab und zu ein paar entgegenkommende Leute etwas entgeistert anschauen, aber das ist schließlich nicht unser Problem!

Auf der nicht allzu stark befahrenen Straße rollert es sich ganz entspannt.
Sehr idyllisch, der Isar Ursprung
Macht richtig Spaß!
In Einklang mit der Natur

Nach fast 14 km sind wir schnell in Vorderriss, von wo aus wir den Rest der heutigen Strecke wandern müssen.

Danke ans „Spatz“ in Kempten (neuer Kässpatzenladen) für die genialen Aufkleber

Der Rucksack mit den Rollern drin ist deutlich schwerer als ohne (Überraschung 😂). Ca. 14 kg ohne Getränke – das ist nicht ohne!

Da könnte man nach 14 km Rollern und fast 8 km Wandern doch langsam durstig werden, zumal sämtliche Gaststätten oder Almhütten auf dem Weg am Montag Ruhetag haben – grrr!

Die „Kaiserhütte“ ca. 3,5 km vor unserem Ziel rettet uns. Zum Glück haben die am Mittwoch Ruhetag 👍. Das Bier und Radler verschaffen uns den nötigen Booster, um die restliche Strecke zu bewältigen.

Kurz vor 19 Uhr kommen wir nach insgesamt 20 km Rollern und fast 12 km Wandern im „Hotel Post“ in Hinterriss an.

Nach einer schönen Dusche gibt es leckeres Abendessen auf der Terrasse, mit Blick auf das Karwendelgebirge und Gämsen im Gehege nebenan – dazu ein Viertele feinen Zweigelt.

Was für ein schöner erster Urlaubstag! Wir werden auf jeden Fall gut schlafen.

Tag 2: Hinterriss – Plumsjochhütte

Heute steht uns ein reiner Wandertag bevor. Die Sonne lacht und wir hoffen darauf, dass wir die 1000 Höhenmeter und 16 km Strecke problemlos bewältigen werden, ohne unter der Last unserer Rucksäcke zusammenzubrechen 😏.

Erst geht‘s ca. 6 km am wilden Rissbach entlang. Noch in der Ebene denke ich mir „Ufffff, der Rucksack ist ganz schön schwer!“ Er wiegt mit Getränken mindestens 15 kg. Das wird ja heiter!

Traumhaftes Karwendelgebirge

Jetzt geht’s teils steil bergauf, immerhin meist im Wald und schattig. Außer uns scheint niemand diesen schönen Weg zu kennen. Den ganzen Tag treffen wir keine Menschenseele – bis auf ein weiteres Wandererpärchen. Außerdem wagen sich zwei Murmeltiere und eine Gämse in unsere Nähe.

Schöner, oft schattiger Weg

Langsam, aber stetig schrauben wir uns mit dem Mords-Gewicht auf dem Buckel in die Höhe. Alle halbe oder dreiviertel Stunde machen wir kurz Pause. So klappt es eigentlich ganz gut.

Einfach nur wow!

Das mega Panorama des Karwendel-Gebirges bestätigt uns, dass die Tourauswahl genau richtig ist. Unser heutiges Tagesziel hätten wir auch mit 350 Höhenmetern weniger erreicht, aber bestimmt mit weniger schönen Ausblicken, zum Beispiel auf den beeindruckenden Großen Ahornboden.

Großer Ahornboden im Hintergrund

Nach etwa 1000 Höhenmetern sind wir fast am höchsten Punkt der Tour angelangt. Es ist kurz vor 14 Uhr und Zeit für die mitgebrachte Brotzeit: Tiroler Kaminwurzen und platt gedrückte Semmeln von der Bäckerei aus Betzigau. Die Stärkung ist wichtig! Wir sind ganz schön durchgeschwitzt.

Das haben wir uns verdient!

Da wir gut in der Zeit sind, gönnen wir uns eine ganze Stunde Pause mit gigantischem Ausblick, auf 1880 m. Das gibt unseren T-Shirts auch die Chance wieder zu trocknen.

Etwas unhandlich, der Stock

Jetzt sind es noch 4 km und etwas über 300 m runter bis zum heutigen Ziel. Alles easy, denken wir. Der Weg gestaltet sich allerdings technisch anspruchsvoller als erwartet. Teils geröllig und etwas ausgesetzt fordert uns der Weg. Man merkt, dass so ein schwerer Rucksack doch eine andere Statik hat und das Balancehalten dadurch etwas erschwert wird.

Kleine Klettereinlage zum Schluss

Gegen 16 Uhr kommen wir bei der Plumsjochhütte auf 1630 m an. Perfektes Timing!

Plumsjochhütte

Erst gibt’s ein Bier an der Sonne (Bierla in da Sun), und dann beziehen wir unser Zimmer, mit Stockbett. Es gibt eine lauwarme Dusche und es tut richtig gut hinterher in frische Klamotten zu schlüpfen.

Das nenne ich mal Upcycling 😊

Das zweite Bier auf der Terrasse schmeckt dann noch besser! Die Wettervorhersage war eher schlecht – umso glücklicher sind wir, dass bis abends die Sonne scheint!

Zum Abendessen gibt es feine Käsknödel und dazu einen etwas zu warmen Zweigelt. Wir gehen früh ins Bett, nachdem wir uns noch mit Streichholzspielen beschäftigt haben (mangels Internet), und schlafen bei Kuhglockengebimmel schnell ein.

Tag 3: Plumsjochhütte – Fügen (Zillertal)

Es hat nachts angefangen zu regnen. Wir müssen damit rechnen, dass es den ganzen Tag über regnen wird.

Nach einer ruhigen Nacht und leckerem Frühstück in der Stube, die dank des Holzofens wohlig warm ist, wandern wir um halb neun los. Momentan ist es trocken.

Die Wolken hängen tief.

Wir haben 1100 Höhenmeter vor uns, diesmal bergab. Der Weg ist stellenweise sehr steil und schottrig – es ist richtig anstrengend (Anmerkung am Rande: mit dem Fahrrad wäre das nix für mich).

Gewappnet für den Regen

Nach kurzer Zeit fängt es zu regnen an – gut, dass wir entsprechend ausgerüstet sind. Zum Glück lässt der Regen schnell nach und es ist immer noch warm.

Wir rollern wieder…

So können wir auch unten, sobald wir wieder auf eine Teerstraße treffen, mit den Scootern fahren. Bremsen ist bei nasser Fahrbahn nicht so erfolgversprechend, deswegen bin ich froh, dass die Abfahrt nicht sehr steil ist.

Achensee

Nach wenigen Kilometern kommen wir total entspannt am schönen Achensee an. Das Wetter ist noch immer nicht besonders gut, aber der Blick auf den See von einem Aussichtsturm ist toll.

Nein – den Roller würde ich niemals ins Wasser werfen. Funktioniert ja bisher alles prima!

Von Pertisau rollern wir am Seeufer entlang bis zur Seespitze. Unser Timing ist mal wieder optimal, denn dort fährt gerade die Achensee-Bahn ein, eine alte Dampflok-Zahnradbahn aus dem Jahr 1889, die wir nehmen, um bis nach Jenbach zu fahren. So sparen wir uns 7 km und einige Höhenmeter.

Nostalgie pur

In Jenbach machen wir am Bahnhof Pause und beobachten die Vorbereitungen, die gemacht werden müssen, damit der Zug wieder zum Achensee zurückfahren kann.

Danach geht‘s mit den Rollern weiter, den Innradweg entlang. Den Teer hätten sie schon ein bisschen glatter machen können. Dann wären wir schneller vorangekommen. Aber so ist es auch okay. Wir schaffen die 13 km bis Fügen im Zillertal trotzdem superschnell.

Kleiner Abstecher über eine Brücke – manchmal ist Tragen angesagt

Ab und zu müssen wir den passenden Weg finden und uns vor wilden Hühnern in Acht nehmen, aber wir sind froh, dass uns inzwischen zumindest das Wetter gnädig ist.

Obacht!

Als es noch einmal ein paar Kilometer vor unserem Ziel leicht anfängt zu regnen, kehren wir in einem Café am Schlitterer See ein, genießen ein Zillertaler Pils und teilen uns eine Pizza.

Fein hopfig!

Gegen 15 Uhr kommen wir nach etwa 3,5 km Wandern, 22 km Rollern (inkl. ca. 1 km Rollertragen auf Schotterwegen) und 7 km Zugfahren schon in Fügen an und checken im „Hotel Edelweiß“ ein.

Nach einem entspannenden Bad kundschaften wir den Ort ein wenig aus, bevor wir wieder zum Abendessen (Saltimbocca alla Romana) in unsere Unterkunft zurückkehren.

Auch heute werden wir gut schlafen 😊.

Tag 4: Fügen – Schlegeisstausee – Pfitscherjoch

Ich weiß gar nicht, ob ich heute noch in der Lage bin, einen vernünftigen Text zu schreiben. Ich bin sooo müde, und die Bilder hat es mir auch noch nicht alle vom Handy aufs Tablet synchronisiert. Ich versuche es trotzdem.

Achtung, Gefahr im Verzug – wir sind wieder mit den Rollern unterwegs!

Kurz vor 9 Uhr starten wir in einen langen Tag. Den Zillerradweg geht es über 25 km entlang (immer mit einer leichten Steigung) Richtung Süden.

Noch habe ich Energie…

Einmal machen wir eine Pause und trinken einen Cappuccino in einem Café. Die Kellnerin ist total begeistert, dass wir mit den Rollern ohne Motor unterwegs sind. Schön, auch mal positives Feedback statt ungläubiger Blicke zu bekommen 😂. Wir können uns aber nicht lange ausruhen, denn wir wollen mittags den Bus in Mayrhofen erwischen.

Im Norden reißt der Himmel bereits auf.

So strampeln wir munter weiter. Es bleibt trocken, aber die Sonne zeigt sich leider nur ab und zu.

Immer wieder muss ich kurz stehen bleiben und ein Päuschen einlegen, oder zumindest die Seite wechseln, die anschiebt. Es ist kaum zu glauben wie anstrengend das Rollern (auf der Ebene bzw. bergauf) für das Bein ist, das auf der Trittfläche steht. Beim Anschieben geht man automatisch mit diesem Bein immer etwas in die Knie, und nach ein paar hundert Metern brennt der Oberschenkel so sehr, dass man wechseln muss. Das ist wirklich ein top Training! Und ich will ja auch nicht jammern. Das Ganze war schließlich meine Idee 😂.

Gegen 12.15 Uhr kommen wir (durchgeschwitzt) in Mayrhofen am Bahnhof an. Durchschnittsgeschwindigkeit über die 25 Kilometer laut Komoot 9 km/h! In 20 Minuten fährt der Bus. Die Zeit reicht gerade noch, um eine Käsesemmel und zwei Dosen Bier zu kaufen. Das brauchen wir jetzt auch dringend!

Ich bin froh, dass ich nicht die Einzige bin, die müde zu sein scheint…

Gegen 13.30 Uhr kommen wir nach einstündiger Busfahrt am Schlegeisstausee an.

Der Stausee hat trotz Wolken eine gigantische Farbe!

Nun stehen uns zwei Stunden, 6 km und knapp 500 Höhenmeter Wandern bevor. Das Wetter ist noch immer nicht optimal. Der Wind nimmt zu, aber es bleibt weiterhin trocken.

Schöner Wasserfall

Was für eine beeindruckende Landschaft – wir nähern uns bald der 2000-er Grenze und es gibt erstaunlich viele Wasserfälle und Wasserläufe. Irgendwo da oben muss noch ein kleiner Gletscher schlummern.

Heli – nimm uns mit! 😏

Ein Helikopter begleitet uns fast den ganzen Weg über – aber statt uns aufzugabeln schleppt er lieber tonnenweise Sand in die Höhe, wo offenbar neue Wege angelegt werden.

Der Wind nimmt zu, nur ab und zu spitzelt der blaue Himmel durch. Wir sind guter Dinge, dass das Wetter spätestens morgen besser wird.

Weniger als 200 Höhenmeter unter unserem heutigen Ziel stoßen wir auf die Lavitz Alm. Da ich das Gefühl habe, dass ich noch etwas Energie benötigen werde, um den Rest des Weges bewältigen zu können, und da plötzlich aus heiterem Himmel die Sonne scheint, gönnen wir uns dort einen leckeren Apfelstrudel.

Mega leckerer Apfelstrudel – superschön angerichtet und dazu ohne Rosinen

Kaum sind wir wieder unterwegs, ziehen erneut Wolken auf. Endspurt – wir sind jetzt bereits in Südtirol.

Benvenuti in Alto Adige

Kurz darauf erreichen wir das Pfitscherjochhaus auf 2770 Metern.

Endlich angekommen!

Das Haus liegt wunderschön und wir bekommen ein tolles Zimmer, sogar mit eigenem Bad.

Als wir beim wohlverdienten Bierchen sitzen, zeigt sich noch ein beeindruckender Regenbogen über dem ehemaligen Grenzhäuschen.

🌈

Die Wolken ziehen schnell an uns vorbei und wir hoffen, der Wind vertreibt diese über Nacht.

Interessante Stimmung

Wir genießen eine herrlich warme Dusche und verbringen den Abend in der Gaststube. Die Spaghetti Bolognese sowie die Hirten-Maccheroni sind mega lecker (und die Portionen riesig).

Der Wein tut sein Übriges, damit ich richtig schläfrig werde. Was für ein intensiver Tag – saumäßig anstrengend, aber erlebnisreich und wunderschön!

Tag 5: Pfitscherjoch – Sterzing

Der Blick am frühen Morgen aus dem Fenster stimmt uns positiv. Die Wolken sind fast verschwunden, und obwohl es noch mit etwa 3 Grad sehr kühl ist, verspricht es ein traumhafter Tag zu werden.

8 Uhr morgens, Blick von unserem Zimmer

Nach einem schönen Frühstück und dem Abholen unserer Wanderschuhe im etwas stinkigen Schuhtrockenraum geht‘s los.

❤️

Wir sind (wieder einmal) ziemlich einsam auf unserem Weg.

Fast wie aus einem Werbeprospekt über Traumziele

Der schmale Weg schlängelt sich bergab – bis auf ein paar kleine Bachüberquerungen unspektakulär, aber schön.

Was für ein schöner Vormittag!

Richtung Sankt Jakob (kurzer Kaffee-Stopp) führt uns der Weg ins Tal. Alternativ zum Panoramaweg hätten wir auf der Straße rollern können, aber mein Bedarf an Rollerfahren war eigentlich schon gestern gedeckt, so dass wir heute (erstmal) nur wandern 😊.

Die saftig grünen Weiden haben wir bereits vom Pfitscherjochhaus aus gesehen.

Wir wandern weiter entsprechend der geplanten Komoot-Tour. Um die Mittagszeit (nach etwa 18 km) kommt allmählich Hunger auf. Wir widersetzen uns der Komoot-Navigatorin und laufen ein Stück auf der Teerstraße weiter, da wir dort die Chance haben, einen Ort zu finden, in dem es eine Gaststätte gibt.

Endlich etwas zu essen!!!

Tatsächlich, in Afens gibt es eine Pension, wo wir eine Brotzeit bekommen und uns stärken können.

Den Rest der Strecke sollten wir also noch problemlos schaffen.

Auch wenn uns die Komoot-Tante permanent ermahnt, dass wir bitte sofort umdrehen müssen, laufen wir unbeirrt auf der Hauptstraße weiter. Einmal müssen wir einen Tunnel umwandern, was uns ungeahnte Einblicke gewährt.

Das war mal die Straße – jetzt holt sich die Natur zurück was ihr gehört …

Selbst in dieser verlassenen Gegend an der alten Straße, die um den Tunnel herumführt, haben die Italiener einen Klettersteig in den Fels gezimmert.

Und wer probiert den Klettersteig gleich aus?

Jetzt ist es nicht mehr weit, aber die fast 1400 Meter Abstieg und über 26 km ziehen sich doch ziemlich… so packen wir schließlich 3 km vor dem Ziel unsere Roller aus und kürzen die Zeit ein wenig ab.

Einmal müssen wir am Ende die Roller nochmal kurz tragen

In Sterzing kommen wir gegen 17 Uhr in der Unterkunft „Nepomuk Rooms“ an, die ganz neu bei „Booking.com“ gelistet ist. Sehr stilvoll eingerichtet und zentral gelegen.

Am Abend schlendern wir durch die Stadt. Uns begegnen viele schwarz gekleidete Menschen. Offenbar ist dies das Wochenende, an dem das Festival „Gegen die Stille“ stattfindet. Mit Bands wie „Die Unantastbaren“, „Headliners“ und seltsamerweise der „Spider Murphy Gang“ gibt es zwei Abende lang Live-Musik. Das erklärt, warum wir Schwierigkeiten hatten, hier überhaupt ein Zimmer zu bekommen. Wir hören von außerhalb des Geländes am Zwölferturm ein bisschen der Musik der ersten Band zu (Hardrock/Heavy), denn Karten gibt es leider keine mehr, essen Pizza und wandern schließlich zu unserer Unterkunft zurück, bevor abends ein Gewitterregen losbricht.

Tag 6: Sterzing – Brixen

Nachts hat es noch weiter geregnet – immerhin ist es in der Früh trocken. Wir frühstücken in dem Café, wo wir gestern Abend noch einen Campari Spritz getrunken haben.

Beim SPAR füllen wir noch unsere Gummibärchen-Vorräte auf. Dann packen wir unsere Roller aus und düsen Richtung Süden.

Natürlich bleiben wir an jeder Seilkrananlage, Grundwassermessstelle oder sonstigen Pegelmessstelle stehen – ist schließlich unser Metier 😊.

Besichtigung einer Pegelmessstelle

Zwischendurch haben wir das Gefühl, dass wir uns verfranzt haben 😂, weil am Wegesrand Alpacas oder Lamas auftauchen.

Lamas oder Alpacas?

Aber alles gut – wir sind richtig. Der Weg führt uns teils auf mehr oder weniger holprigen Radwegen Richtung Franzensfeste.

Immer noch on Track

Manchmal geht es ganz schön bergab. Bei 17% fährt nur ein Teil unserer Gruppe den Berg runter (nicht so schwer zu erraten, welcher 😏)… Ich brauch meistens ein paar Meter Anlaufzeit, damit ich es wage, bei so einem Gefälle ebenfalls zu rollern. 100% vertraue ich der Bremse nicht, zumal das Bremsblech inzwischen schon ziemlich durchgescheuert ist.

In Worten: siebzehn Prozent!

Auch wenn es vorwiegend bergab geht, haben wir mittags eine Pause nötig. Wir haben Glück, dass wir um kurz vor 12 Uhr nach etwa 25 Kilometern in einer Metzgerei in Franzensfeste ankommen, wo wir belegte Semmeln und ein kleines Bierchen zur Stärkung bekommen.

Franzensfeste

Zwar haben wir erst gerade Pause gemacht, aber der Regen zwingt uns am Bahnhof Franzensfeste noch einmal einen Stopp einzulegen.

Bier zur Überbrückung des Regens

Gegen 16.30 kommen wir nach 34 Kilometern in Brixen an. Wir sind schätzungsweise 80% der Strecke gerollert. Ab und zu mussten wir die Roller schieben, weil es bergauf ging, oder tragen, weil der Weg zu einem Schotterweg mutiert war.

Wir beziehen unser Zimmer im „Hotel Traube“ und ziehen dann los. Die Altstadt von Brixen ist recht schön, auch wenn sie uns nicht überall einen Campari Spritz servieren wollen (nach 25 Minuten Wartezeit im Café Millennium 👎🏻 geben wir auf). Ein Café weiter klappt es schließlich – und wir bekommen unseren Spritz und sogar Erdnüsse und Oliven dazu, wie sich das in Italien eben gehört.

Brixens schöne Altstadt

Nach dem Abendessen hören wir in der Ferne Live-Musik. Wir laufen in die Richtung und entdecken, dass bei der Hofburg heute ein Poetry Jam mit verschiedenen Bands stattfindet.

Eine Sängerin beeindruckt uns enorm: Medea Hinteregger. Geniale Soul-Stimme!!!

Medea Hinteregger – ein absoluter Geheimtipp

Als dunkle Wolken am Himmel auftauchen, laufen wir zum Hotel zurück. Dort hören wir noch die Nachfolgeband, bis es kurz darauf heftig zu regnen anfängt. Sehr schade für die Musiker. Es war ein supercooles Event!

Tag 7: Brixen – Bozen

Das Wetter ist uns gnädig – am Morgen begrüßt uns wieder die Sonne. Wir orientieren uns gleich Richtung Radweg, der uns nach Bozen führt.

Das Zusammenbauen des Rollers geht inzwischen echt schnell.

Schwuppdiwupp – und los geht‘s!

Wir fahren gemütlich an der Eisack entlang.

Es geht immer etwas bergab.

Zunächst rollern wir gut 12 km bis Klausen, einem schönen kleinen Städtchen, wo wir Cappuccino trinken.

Klausen
Das ist doch mal eine Aussage – aus diesem Grund habe ich heute zum Frühstück auch ein mega leckeres Panna Cotta mit Waldfrüchten genossen.

Lange können wir nicht verweilen, da wir den nächsten Zug Richtung Bozen erwischen wollen.

Bella Statione

Mit dem Südtirol-Pass, den wir im Hotel bekommen haben, können wir kostenlos Zug fahren. Wir fahren nur eine Station, bis Waidbruck. Das sind zwar lediglich 6 km, aber wir sparen uns dadurch ein paar Höhenmeter. Das heutige Pensum hat es auch so in sich.

Ab jetzt geht es die frühere Bahnstrecke entlang. Diese führt zwar bergab, aber ein paar Höhenmeter zwischendrin müssen wir dennoch bewältigen, und nicht immer lässt der Belag ein „flüssiges“ Dahingleiten zu…

Teilweise rollern wir so gemütlich vor uns hin, dass es fast meditativ ist…
So sieht das von der Position des „Verfolgers“ aus 😂!

Anstrengend ist es alle Male – und es wird Zeit für eine Pause.

Wir hängen die Roller nicht an den Nagel, aber „artgerecht“ an einen Balken an einer schön Radstation („Bios Ristoro“), wo früher wohl mal ein Bahnhof war.

Free Parking
Im Ristoro „Bios“

Speckknödel auf Salat geben uns Kraft für die restliche Strecke. Und als Dessert gibt es ein Gläschen Wein. Wir haben es schließlich nicht eilig.

Interessante Tunnels

Einige Male fahren wir durch Tunnels durch, die mal mit Graffiti verziert sind, mal einfach nur dunkel. Zum Glück ist die Strecke nicht stark frequentiert, so dass wir selten Fahrradfahrern in die Quere kommen.

Geschafft, nach ca. 35 km Rollern (und 6 km Zugfahrt) kommen wir in Bozen an.

Bozen

In den „Fewo Apartments“ unweit des Zentrums beziehen wir unser großzügiges Zimmer. Da wir zwei Nächte bleiben, gibt uns das die Gelegenheit mal alle Klamotten zu waschen (die braune Brühe im Waschbecken macht deutlich, dass dies wichtig war 😏).

Ist das nicht schön!? 😂

Nach ebenso gründlicher Reinigung von uns selbst laufen wir in die Innenstadt. Das Wetter ist genial! Leider haben einige Betriebe am Sonntag zu und so trinken wir „nur“ ein Bozener Bier und machen uns dann direkt auf zu unserem Lieblings-Chinesen in Bozen, dem “Thai-Oriental“.

Eine super Mischung: Annapurna T-Shirt (aus Nepal), chinesisches Essen und Tsingtao-Bier in Bozen
Ente und Huhn mit Gemüse und scharfer Sauce nach Art des Hauses

Beim Bestellen haben wir unsere gesammelten Chinesisch-Kennnisse angewendet und genau das bekommen, was wir haben wollten. Einfach lecker!

Schon ist Zeit für ein kleines Zwischenfazit:

Eine tolle Woche liegt hinter uns – sehr anstrengend und erlebnisreich. Jetzt ist quasi Halbzeit. Kaum zu glauben, dass wir inzwischen etwa 60 km gewandert sind (mit 2000 Höhenmetern bergauf und immer mit 15+kg auf dem Rücken), und 140 km (!) mit den Rollern zurückgelegt haben. Und sie halten noch immer – der Wahnsinn!

Morgen ist erstmal ausruhen angesagt, in und um Bozen. Mal sehen, was uns da einfällt…

Tag 8: Bozen & Umgebung („Ruhetag“)

Heute lassen wir es langsamer angehen!

Nachdem wir ausgeschlafen und in der Innenstadt gemütlich gefrühstückt haben, fahren mit der Rittner Seilbahn nach Oberbozen.

Die Fahrt kostet 10 € hin & zurück und dauert je ca. 12 Minuten.

Von dort machen wir eine kleine Tour (8,5 km) vorbei am Wolfsgrubener See (angeblich einem der 10 saubersten Seen Italiens, aber offenbar aktuell aufgrund des Wassermangels umgekippt) nach Klobenstein.

Den Schlern stetig im Blick (gemeint ist der Berg im Hintergrund, für diejenigen, die ihn nicht kennen 😊)

Leider liegen über den Dolomiten ein paar Wolken, so dass wir die meisten der beeindruckenden Bergspitzen nicht sehen, aber zumindest der Schlern zeigt sich in voller Pracht.

So ein entspannter Tag 😊

Wir kommen am Bienenmuseum vorbei und neben vielen Bienen wuseln auch ein paar Eidechsen herum.

Ich liebe diese kleine Wusler…
Ritten-Bahn (seit 1907)

Die Ritten-Bahn bringt uns am Nachmittag zur Bergstation der Seilbahn zurück. Bloß nicht zu viel bewegen heute 😂!

Traditioneller Besuch der „Fischbänke“

Zurück in Bozen steuern wir direkt die „Fischbänke“ an, das individuell gestaltete Café mit dem urigen Eigentümer, wo es neben leckeren Spritz-Getränken (Campari, Limoncello,…) sehr feine Bruschetta gibt.

Was soll man mehr sagen?

Leider ist das Ambiente nicht mehr ganz so originell, da der Wirt Auflagen von den Behörden bekommen hat und einen Großteil der Wände mit seinen Sprüchetafeln entfernen musste (versteht man das???), aber ein paar der Sprüche sind glücklicherweise noch geblieben.

Zum Abendessen gehen wir in die Trattoria „Fila d‘Olio – es gibt feine Pasta. Das Restaurant ist nicht weit von unserer Unterkunft weg und wir begeben uns nach dem Essen direkt auf den Weg zurück – auch so ein „Ruhetag“ hat es in sich 😏.

Tag 9: Bozen – Tramin

Heute haben wir eine relativ kurze Etappe vor uns. Bei strahlendem Sonnenschein starten wir in den Tag.

Ketten los und ab zum Rollern

Wir rollern den Fahrradweg entlang der Eisack – es geht meist bergab, aber nur ganz leicht, so dass wir immer in Bewegung sind um voranzukommen. Außerdem ist der Teer nicht gerade optimal – sehr holprig. Das macht selbst das Bergabfahren anstrengend.

Messners Mountain Museum – Burg Sigmundskron in der Ferne

Irgendwann fließt die Eisack in die Etsch und dann gehts weiter den Etschradweg entlang. Den Weg kenne ich schon – von der Via Claudia Augusta, die ich vor ein paar Jahren mit dem Fahrrad gemacht habe.

Schöner Abschnitt

In Bronzolo halten wir im Café an der Brücke zur Mittagspause. Es ist richtig heiß, so dass ein Radler und eine Speckknödelsuppe jetzt genau das richtige sind 😊.

Manch einer wird nach der Pause gar übermü/utig

Nach etwa 21 km Rollern müssen wir die Scooter wieder einpacken, da es ab jetzt an der Straße entlang und bergauf geht.

Wir wandern an zum Teil bereits abgeernteten Apfelplantagen vorbei.

Äpfel, soweit das Auge reicht

Die Hitze ist enorm – es hat sicher 30 Grad oder mehr!

Die letzte Durststrecke ist gleich überwunden…

Zum Glück erscheint in Sichtweite bereits die „Cantina Tramin“, die wir von einem Ausflug vor zwei Jahren kennen.

Cantina Tramin

Total verschwitzt laufen wir dort ein und bestellen einen erfrischenden Rosé (Cuvée) und einen Weißburgunder.

Immer wieder schön 🍷

Das ist unsere Rettung 😏. Mit dieser Stärkung schaffen wir es auch noch bis zur „Pension Rechtenthal“ in Tramin.

Nach dem Einchecken wandern wir nochmal los, zum Buschenschank. Sehr cooles Ambiente! Es ist einiges los und so nehmen wir zusammen mit zwei anderen Pärchen an einem großen runden Tisch Platz. Unsere Tischgenossen (aus Wendlingem/Bawü und Dresden) sind sofort Fans unserer Idee mit den Tretrollern 🛴🛴.

Wir essen deftigen Bauerntoast und das obligatorischere Knödel-Tris und trinken Vernatsch-Wein dazu. Zurück in der Unterkunft setzen wir uns auf unseren Balkon und schauen dem Wetterleuchten zu (Vorbote des Gewitters in der Nacht).

Tag 10: Tramin – Trient

Wir verlassen die Weingegend bei erneut schönem Wetter und steigenden Temperaturen am Vormittag.

Ciao Tramin – schon am Ortsausgang kommen wir ins Schwitzen, obwohl es bergab geht

Zu Fuß geht es an schönen Weinbergen vorbei hinunter Richtung Etsch.

Die dürften bald erntereif sein…

Die Etsch hat seit dem Gewitter letzte Nacht eine schokobraune Farbe angenommen (gelinde ausgedrückt).

Man beachte auch die Baumstämme, die am mittleren Pfosten hängen geblieben sind (sicher nicht erst gestern)
Die Beschaffenheit des Asphalts macht einen fertig – hier sieht man gut den Unterschied zwischen ganz gruseligem Untergrund und nur leicht holprigem Belag (von richtig schönem Teer träume ich inzwischen nur noch 😂)

Selbst das Bergabfahren ist bei diesen Temperaturen (schwülwarm) und der Beschaffenheit des Radwegs sehr mühsam.

Holper holper …

Am Geräusch kann man sich vielleicht vorstellen, dass die Scooter kaum von alleine rollen und man auch bei abfallendem Weg ständig anschieben muss.

Zum Glück ist auch auf dieser Strecke wenig los, so dass wir kaum als Bremsklötze für Fahrradfahrer in Erscheinung treten.

Verschnaufpause

Um etwas Luft zu schnappen, tut es zwischendurch gut, einfach mal stehen zu bleiben und ein Foto zu machen 😏.

Und schon geht’s weiter!

Nach etwa 23 Kilometern in Bewegung und nach einer Portion Spaghetti Ragout im „Bike Break – Bicigrill Faedo“ Imbiss (und nicht zuletzt nach dem Blick auf das Höhenprofil der restlichen Tagesetappe) entscheiden wir uns spontan, ab Mezzocorona mit dem Zug zu fahren.

2,5 km wandern wir zum Bahnhof und nehmen dann den Zug nach Trient (ca. 15 Minuten, 2,50€).

Interessante grüne Architektur

Trient hat eine schöne Altstadt. Nachdem wir unser Zimmer im „Hi Hotel“ bezogen und uns frisch gemacht haben, streifen wir durch die Gässchen auf der Suche nach einem Erfrischungsgetränk.

Am Domplatz

An einem kleinen Café, aus dem Klaviermusik klingt und wo man schön die vorbeilaufenden Leute beobachten kann, genießen wir einen Campari Spritz und bekommen leckere Häppchen (inklusive Parmaschinken und Käse).

Beim „Forsterbräu“ essen wir Sepia-Spaghetti mit Saibling und ein Polenta-Tris (als Appetithappen gibt es Brezen mit Weißwurstsenf – sehr witzig). Alles schmeckt lecker und macht richtig satt.

Interessante Mischung

Jetzt bin ich eigentlich schon bettreif, auch wenn es gerade mal 21 Uhr ist,

Ein Zeichen 😂

Wenn das kein Zeichen ist – hier ist wohl der richtige Ort, um nach ungefähr 180 Kilometern die Roller zu parken 😏. Wir werden sie im Hotel in Trient lassen, wo wir in vier Tagen (nach unserem Ausflug zum Lago di Caldonazzo) wieder übernachten werden.

Tag 11: Trient – Tenna

Der Tag könnte so schön ausschauen…

Echt oder Fake? 😂

Aber er sieht leider so aus:

Gewitter in der Nacht und Starkregen am Morgen

Da es selbst um 10 Uhr, als wir aus dem Hotelzimmer auschecken müssen, noch stark regnet, entschließen wir uns dazu, den ersten Teil der heutigen Etappe mit dem Bus zu machen.

Wir fahren ca. 6 km bis Pinè Bivio. Die Fahrt kostet uns 1,60€ und kürzt unsere heutige Tour auf etwa 13 km ab (und wir sparen uns einige Höhenmeter). Angesichts des gruseligen Wetters ist das sicher die richtige Entscheidung. Als uns der Bus etwas nördlich von Slacche ausspuckt, zweifeln wir, ob wir nicht besser noch weiter hätten fahren sollen… Es will einfach nicht aufhören zu regnen. So sitzen wir noch etwa eine halbe Stunde im mit Graffittis beschmierten Bushäuschen an der Hauptstraße und beobachten das Wetterradar.

Endlich lässt der Regen nach und wir laufen los. Wir kommen dank Komoot direkt auf einen sehr wenig begangenen Pfad.

Niemand außer uns unterwegs

Hier ist alles üppig grün – keine Spur von Wassermangel…

Autsch – stachelige Barrieren auf dem Weg

Der Weg ist extra für „Experten“ gekennzeichnet, warum auch immer… Außer, dass man sich leicht die Waden aufreißt, wenn man an einer stacheligen Pflanze hängen bleibt, ist der Weg nicht schwierig zu begehen.

Die gehört sicher zu den Experten

Auf einmal kommt überraschenderweise die Sonne raus und es wird richtig schwül – wer hätte das noch heute Morgen gedacht 😊.

Es ist 12 Uhr und Zeit für eine Pause im altertümlich anmutenden Rocogno.

Mahlzeit 😂

Hier gehen die Uhren offenbar noch ein bisschen anders. Der kleine Laden, in dem wir gerade noch das kühle Bier erstanden haben, macht pünktlich um 12 Uhr Mittagspause. Jetzt fühle ich mich richtig in Italien angekommen 😏.

Alles zugewuchert

Wir wandern weiter und erreichen Pergine Valsugana. Auch ein schöner Ort, eingebettet in eine grüne Hügellandschaft.

Pergine Valsugana

Hier essen wir Penne Amatriciana und Scaloppine al Limone in einem Restaurant am Rande der Stadt, wo sich sonst wahrscheinlich kein Tourist hinverirrt. Sehr lecker (und viel) und beim Mittagsmenü ist auch noch ein feiner Espresso dabei.

Oben am „Castel Pergine“ machen wir auf einer Picknickbank Siesta. Alles ist total ruhig. Insgesamt sind kaum Leute unterwegs.

Ein paar Kilometer weiter sehen wir endlich den Lago di Caldonazzo. Bevor wir aber unser Hotel in Tenna oberhalb des Sees erreichen, müssen wir noch ein gutes Stück durch teils dicht bewachsene Wälder wandern (wieder ein typischer Komoot-Weg), und vorbei an üppigen Obstplantagen. Sogar „Gnom“-Wege gibt es hier…

Gegen 16.30 Uhr erreichen wir das „Hotel da Remo“ in Tenna und beziehen unser Zimmer im zweiten Stock mit schönem Blick auf den See, nachdem wir auf der Terrasse erstmal ein Bierchen zur Erfrischung getrunken haben. Auch wenn es nur 13 km und 400 Höhenmeter waren, sind wir bei der feuchtwarmen Luft doch ziemlich ins Schwitzen gekommen.

Blick auf den Lago di Caldonazzo von unserem Zimmer aus

In dem kleinen Örtchen Tenna gibt es gerade mal drei Lokale. Zunächst laufen wir am Abend runter an den See (auch einen abenteuerlichen Pfad entlang), um zur „Dolomiti Bar“ zu gelangen. Die Bar ist direkt an der Straße gelegen und es gibt nur Kleinigkeiten zu essen. Deswegen wandern wir nach einem Getränk die geschätzten 100 Höhenmeter wieder in den Ort hoch und kehren im „Veg Point“ ein, einem süßen kleinen Restaurant mit vegetarischer und veganer Küche.

Traumhaftes Essen im „Veg Point“

So etwas hätte ich hier nie erwartet. Total schön eingerichtet (alles bunt und geschmackvoll), mit wundervollen Fotos von Menschen aus Asien und Nordafrika an den Wänden. Und das Essen ein Traum: Chapati Brot als Vorspeise mit sieben verschiedenen Soßen, und dann eine Art nepalesisches Dhal Bat (Basmatireis mit Klatschmohnsamen, dazu Gemüsecurry und Linsen) und äthiopisches Auberginengemüse mit Kichererbsencreme. Das hat so gut geschmeckt, dass wir gleich für Samstagabend wieder reserviert haben.

Tag 12: Tenna & Lago di Caldonazzo

Nachts hat es wild gewittert und auch der Morgen ist verregnet. Wir nehmen uns viel Zeit zum Frühstücken, und wandern erst gegen 11 Uhr los. Irgendwo hinzufahren oder ein Fahrrad auszuleihen, macht keinen Sinn, da das Wetter in der ganzen Umgebung unbeständig ist. Also planen wir eine Seeumrundung. Wir nehmen Regensachen und vorsorglich auch Badezeug mit 😊.

Noch hängen die Wolken über dem Lago di Caldonazzo tief.

Es geht erst mal wieder einen Komoot-Weg entlang. So habe ich mir das vorgestellt – ursprünglich und einsam.

Das kommt einem irgendwie bekannt vor…

Am Lago di Caldonazzo ist es relativ windig und kühl. Das Wasser schlägt richtige Wellen.

Vom Winde verweht

Wir legen eine kurze Pause ein und wandern dann weiter, in der Hoffnung, dass das Wetter irgendwann noch besser wird.

Am frühen Nachmittag kommt Hunger auf und wir freuen uns zunächst als Google Maps uns anzeigt, dass es nur 14 Minuten bis zu Pizzeria „Happy Days“ sind. Was das Programm allerdings nicht berücksichtigt hat ist, dass das nur möglich ist, wenn wir ein Bahngleis und die Bundesstraße überqueren 🙈. Auf legalem Weg müssten wir ca. 1,5 km bis zur nächsten Unterführung laufen und dann die gleiche Strecke an der vielbefahrenen Straße wieder zurück spazieren. Da uns das zu weit und aufgrund des vielen Verkehrs zu gefährlich erscheint, nutzen wir eine Stelle, an welcher der Zaun zwischen Rad-/Wanderweg und Bahngleis etwas niedriger ist, um schnell die lästigen Hindernisse zu überwinden.

… —-> … —-> …

Ich hab echt ein schlechtes Gewissen, als wir dann im Restaurant sitzen und Gnocchi und Spaghetti mit Weißwein genießen 😏.

Ich geb‘s zu, ich hab‘s getan!

Okay, das leckere Essen war unser kleines Abenteuer auf alle Fälle wert. Und man muss auch sagen, dass wir lange an der Bahnstrecke gelaufen sind und den ganzen Tag kein einziger Zug weit und breit zu sehen oder zu hören war.

Danach müssen wir gleich nochmal über die Gleise – diesmal, weil kein anderer Weg zu dem Strand führt, den wir angepeilt haben, da endlich die Sonne rausgekommen ist.

An einem wunderschönen kleinen Kiesstrand, an dem niemand außer uns ist, wagen wir uns ins Wasser.

Endlich wieder Sonne ☀️

Das Wasser ist genial – schön warm und sauber.

Hier lässt es sich ein Weilchen aushalten!

Man könnte schon noch länger am Strand rumlümmeln, aber weiter geht‘s – wir haben noch nicht mal die Hälfte der Strecke geschafft.

Auf der anderen Seite des Sees haben wir allerdings schon wieder eine Pause nötig. Jetzt ist es richtig schwül. Zum Glück kommen wir an einer coolen Strandbar vorbei.

Campari Spritz

Das letzte Drittel der Strecke führt uns nochmal kurz in die Irre und zwingt uns zum Umdrehen. Ohne den Umweg hätten wir allerdings dieses Prachtexemplar einer Spinne nicht gesehen.

Wespen- oder auch Zebraspinne (Spinne des Jahres 2001) – gibt‘s wohl auch bei uns

Auf schmalen Stegen laufen wir noch ein Stück am Seeufer entlang. Danach geht es durch Obstplantagen wieder den Berg hoch.

Nochmal kurz genießen, bevor es wieder bergauf geht!

Kurz vor 19 Uhr sind wir (nach über 18 Kilometern Wandern im Hotel zurück. Abends gehen wir ins Lokal Nr. 2 im Ort, die Pizzeria „One Rosso“. Auch fein!

Nachts regnet es wieder – daran sind wir inzwischen gewöhnt.

Tag 13: Tenna & Lago di Levico

Der Tag begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein. Wir beschließen auch den zweiten See in unserer Umgebung zu erkunden, den Levico See.

Ich hab mich an die Farbe des Levico-Sees angepasst.

Wir wandern gemütlich hinunter zum See. Außer uns sind hauptsächlich Italiener unterwegs, wie es scheint, die einen Samstagsspaziergang machen.

Was für ein schöner, klarer See

Hier sind mehr Leute unterwegs als am Lago di Caldonazzo – das ist aber auch kein Wunder. Dieser Weg führt meist direkt am See entlang (ohne Bundesstraße und Eisenbahnlinie) und ist sehr idyllisch.

Am Südufer des Sees angelangt machen wir einen Abstecher in das Städtchen Levico Terme, wo es neben schönen Eisdielen und Cafés auch Geschäfte mit allerlei Leckereien gibt, die ich allerdings nicht mitnehmen kann, da wir ja wieder die Strecke bis Trient zurückwandern müssen.

Leckereien in Levico Terme

Danach geht’s an den Strand.

Oh 😮

Trotz dieser Warnung begeben wir uns todesmutig ins Wasser.

Wir paddeln eine Stunde mit dem Tretboot über den wunderschön zwischen sanften Hügeln eingebetteten See und hüpfen immer mal wieder ins Wasser.

Ohne Nase zuhalten geht das bei mir nicht 😏

Als ich die Wettervorhersage für die Region vor ein paar Tagen gesehen habe, hätte ich mir nie träumen lassen, dass wir auch noch im See schwimmen können. Unglaublich!

In der Strandbar „Buena Onda“ gönnen wir uns nach unserem Badeausflug zwei Campari Spritz.

Die „Gute Welle“ darf man nicht verpassen!

Bei Sonnenschein und Reggae-Musik in Bambus-Hüttchen kommt fast Karibik-Feeling auf 😏.

Sunshine Reggae

Es ist erstaunlich wenig los – die meisten Italiener haben ihren Urlaub offenbar beendet und viele Ausländer scheinen nicht hierher zu kommen. Im Sommer ist sicher die Hölle los. Wir kommen bestimmt auch mal wieder! Ist einfach traumhaft!

☀️🍹🎶

Wir freuen uns riesig über das geniale Wetter, und dass wir diesen schönen See und die coole Bar gefunden haben.

Heißer Fight

Dass es dort auch noch einen Kicker gibt, an dem wir uns austoben können, ist die Krönung des Tages.

Apropos Krönung: God Save The King!

Zurück in Tenna gehen wir am Abend wieder zum „Veg Point“. Auch heute haben wir eine gute Wahl getroffen – ein afghanisches Gericht und Couscous. Inspiriert zum Nachkochen.

Tag 14: Tenna – Trient

Letzter Wandertag – schnief! Glücklicherweise dürfen wir heute nochmal an die 20 Kilometer wandern 😂, und das bei strahlend blauem Himmel!

Arrivederci Tenna!

Ein Teil des Wegs ist uns schon bekannt. Der Weg der Gnome 😂.

Das ist natürlich kein Gnom 😍!

Die Gnome haben schon seltsame Bauten errichtet.

Was auch immer das darstellen soll…

In Pergine Valsugana lassen wir diesmal das Kastell rechts liegen. Auf unserem Weg findet heute eine Radveranstaltung statt, die „Coppa d‘Oro“.

Uff… die sind echt flott unterwegs!

Die Jungs ziehen den Berg hoch, als wäre es nichts.

Danach führt uns der Weg aus der Stadt raus, wieder an üppigen Obstplantagen vorbei, und über das Örtchen Roncogno.

Der Baum hat auch schon eine lange Geschichte…

Wir wandern (einsam) ca. 400 Höhenmeter hoch Richtung „Passo Cimirlo“.

Irre, was die Natur alles zustande bringt!

Im Wald ist es nicht zu heiß, aber wir hoffen trotzdem, dass wir oben am Pass etwas zum Einkehren finden.

Es gab sogar mal einen Biergarten dort, den „Zimirlo Biergarten“ mit Mönchshof-Bier – der ist aber leider geschlossen („Affittasi“),

So müssen wir uns mit unseren Knabbersachen begnügen.

Unsere „Einkehr“ am Pass auf 730 m

Jetzt geht es wieder bergab, und nach etwa 15 Kilometern sehen wir schon Trient, unser heutiges Ziel.

Wie schön die Stadt doch liegt! (Hinweis: Man muss ins Bild rein zoomen, um die Stadt im Hintergrund zu sehen!)

In Trient (nach 19 km Wandern mit 400 Höhenmetern hoch und 800 runter) gehen wir nach dem Einchecken im „Hi Hotel“, wo wir bereits vor ein paar Tagen waren, ein bisschen bummeln.

Letzter Abend in Trient

Nach dem Abendessen landen wir zufällig noch beim „Autumnus“ Fest, wo landwirtschaftliche Produkte verkostet werden können.

Morgen fahren wir wieder nach Hause – nicht nur angesichts der Wetteraussichten wären wir gerne noch länger geblieben 😂.

Bei der Rückfahrt mit dem Flixbus will ich mal überschlagen, wieviele Kilometer und Höhenmeter wir insgesamt gemacht haben, sowohl mit dem Roller als auch zu Fuß. Bin gespannt – ist schon einiges zusammengekommen! 😊

Tag 15: Trient – Betzigau

Wir wandern bei noch frischen Temperaturen am Morgen zur Bushaltestelle „Lungadige Monte Grappa“.

Lungadige Monte Grappa

Mit 30 Minuten Verspätung startet der Flixbus ab Trient.

Wir haben wieder den üblichen Zank, dass unsere reservierten Sitzplätze von anderen Passagieren belegt sind. Aber das kennen wir bereits. Wir haben schließlich andere Plätze gefunden.

Die Fahrt geht über Bozen und Brixen (teilweise nicht weit von der Strecke entfernt, die wir Richtung Süden gerollert sind 😊). Über Seefeld gelangen wir um 13.20 Uhr nach Garmisch-Partenkirchen.

Leider verpassen wir den geplanten Bus nach Pfronten ganz knapp, was uns in den Genuss einer Leberkässemmel am Bahnhof bringt. Auch mal wieder fein 😊.

Erster Schnee auf der Zugspitze

Wir nehmen den nächsten Bus (das ist immer noch der Schienenersatzverkehr), der angeblich wegen Staus 15 Minuten zu spät kommt. Bei der Fahrt sehen wir nichts von einem Stau, aber deswegen fährt uns auch der Zug in Pfronten-Steinach vor der Nase davon. Läuft 🙈.

Ich bin kurzzeitig geneigt zu sagen, dann rollern wir doch nach Kempten 😏

Wir warten schließlich die knappe Stunde, bis der nächste Zug kommt und fahren dann nach Kempten. Mittlerweile ist es 17.30 Uhr.

Das Wetter ist genial und so freuen wir uns die letzte Strecke vom Bahnhof nach Hause rollern zu können.

Soooo schön – da wirft doch der nächste Rollerurlaub schon seine langen Schatten voraus 😁

Fazit:

Die zwei Wochen waren intensiv, anstrengend und erlebnisreich. Alles hat so geklappt, wie wir uns das vorgestellt haben. Das Wetter hat mitgespielt und am Ende haben wir die Roller sogar wieder mit zurückgebracht, wenn auch mit fast durchgescheuerten Bremsblechen 😂.

Hier zum Schluss noch die Zusammenfassung, welche Fortbewegungsmittel wir eingesetzt haben (door-to-door):

  • Bus: 500 km (Schienenersatzverkehr, Regionalbus, Flixbus)
  • Zug: 100 km (inkl. 7 km Dampflok-Zahnradbahn)
  • Tretroller (Scooterwandern): 185 km; ca. 700 Höhenmeter hoch und 1800 Höhenmeter runter (wobei runter sich in vielen Fällen, d.h. bei schlechtem Teer, wie in der Ebene oder gar bergauf angefühlt hat 😂)
  • Füße (Wandern): 150 km; ca. 3500 Höhenmeter hoch und 4000 Höhenmeter runter
  • Außerdem: Seilbahn (Rittner-Bahn in Bozen) und Tretboot (Levico-See 😊)

Hinterlasse einen Kommentar