Alpencross kennen wir schon, und es ist immer wieder spannend (oder nervenaufreibend, je nach Perspektive)! Um das Gequengel mancher Leute nicht länger ertragen zu müssen („Wann machen wir endlich mal wieder einen Alpencross…?“), haben wir uns dieses Jahr erneut eine Tour vorgenommen 😉. Allerdings hat es auf den höheren Übergängen in den Alpen noch ziemlich viel Schnee, so dass wir auf die Idee kamen, mal einen Alpencross in der südlicheren Alpenregion zu machen.
Keine Ahnung, ob es einen kausalen Zusammenhang mit Corona gibt (!?), aber als wir die Anfrage gestartet haben, wer dieses Jahr an einem Alpencross Interesse hat, war die Resonanz gewaltig. Alle die Zeit hatten haben „Ja, ich will mit!“ geschrien und keiner hat abgesagt. So sind wir jetzt mit 12 Leuten unterwegs, was einen gewissen logistischen Aufwand bedeutet, aber mit Sicherheit auch jede Menge Spaß!
Der Plan ist ab Faak (bei Villach) loszuradeln und in sechs Tagen am Meer anzukommen. Triest ist der geplante Zielort. Also eine Dreiländertour, Österreich, Slowenien, Italien!
Drei Tage vor der Tour spannen wir unsere Räder auf einen Anhänger, den wir von einem Bekannten ausleihen konnten, und fahren nach Kärnten. Die Teilnehmer der Tour reisen einen Tag vorher oder kurzfristig an (es gibt sogar so verrückte Leute, die erst die Zugspitze erklimmen und dann am selben Tag abends noch nach Villach fahren, um am nächsten Tag 1300 Höhenmeter zu radeln 🙈). Als wir spätabends in Faak ankommen, werden wir von ein paar Nachteulen und Glühwürmchen empfangen. So kann der Urlaub beginnen!
Tag 1 – Faak – Kranjska Gora
Wir laden die Räder vor unserer schönen Unterkunft, der Pension „Waldruh-Tannenheim“ in Faak ab. Nachts hat es geregnet. Glücklicherweise ist es in der Früh trocken, und noch angenehm kühl. Ideales Radelwetter!

Und los geht’s! Heute haben wir noch einen Special Guest dabei, der sich zu seinem 10. Geburtstag gewünscht hat, sich mit ein paar Verrückten über die Berge in den Alpen zu quälen (und wahrscheinlich war er einer der fittesten heute).
Wir fahren zunächst gemütlich durch die Kärntner Landschaft.

Dann stoßen wir auf ein paar Hindernisse, die uns Komoot in den Weg gelegt hat.

Diese überwinden wir tapfer. Danach geht es aber richtig los – zwei oder vielleicht drei Stunden den Berg hoch, ein schöner Weg, aber mit wenig Passagen zum Ausruhen. Dennoch hat man ab und zu sogar Zeit die schöne Landschaft zu bewundern. Ein Selfie muss auch mal drin sein, auch wenn die anderen (die etwas fleißiger als ich trainiert haben) wahrscheinlich schon oben an der Hütte angekommen sind.

Irgendwann komme ich – obwohl die Sonne sich nicht blicken hat lassen – schweißgebadet oben an, im Dreiländereck, auf der „Dreiländereck-Hütte“, wo es feine Kasknödel gibt und ein erfrischendes Radler.

Nachdem sich die Räder und wir etwas ausruhen konnten, geht es bergab. Die Gruppe trennt sich kurzzeitig. Die Freaks und diejenigen, die etwas fitter beim Downhill sind, entscheiden sich für einen Trail, der sich offenbar als etwas schwierig herausstellt. Ein paar von uns (mich eingeschlossen) wählen die leichtere Variante und sausen eine lange und schöne Piste im Wald bis Ratece hinunter. Dort genießen wir gemütlich einen Cappuccino und fahren dann über schöne kleine Wege vorbei an kleinen Bächen nach Kranjska Gora.

Dort vor dem „Best Western Hotel“ treffen wir nach ca. 1300 Höhenmetern (hoch) und 45 km auf den Rest der Mannschaft.
Nach einer schönen Dusche im Hotel kehren wir in einer total gemütlichen Gaststätte ein, wo wir ein eigenes Hüttchen bekommen, das uns vor dem Regen schützt, der im Laufe des Abends immer heftiger wird.
Die leckeren Grillspezialitäten lassen uns den Regen und auch die Anstrengungen des Tages schnell vergessen. Den „geschmacklosen Fensterkitt“ in Form von Sterz hätten wir uns aber getrost sparen können.

Der vom Kellner empfohlene Birnenschnaps wärmt uns für den Heimweg im Regen. Regenschirme bekommen wir netterweise auch noch geliehen.

Na zdravie – so geht ein super schöner Tag zu Ende.
Tag 2 – Kranjska Gora – Vrsic Pass – Bovec
Was für ein geiler Tag! Die ganze Nacht über hat es geregnet, aber als wir am Morgen die Vorhänge öffnen, strahlt uns schon die Sonne entgegen.
Hochmotiviert starten wir in den Tag!

Wir fahren ab Kransjka Gora an einem Bachbett entlang und können die traumhafte Kulisse kaum fassen. Wie für einen kitschigen Kalender gemacht.

Allmählich geht es bergauf – wir haben heute wieder etwa 1200 Höhenmeter und knapp 50 km vor uns. Vor dem eigentlichen Anstieg zum Vrsic Pass müssen wir noch eine etwas abenteuerliche Bachüberquerung bestehen. Mit trockenen Füßen kommt fast niemand durch, aber alle haben es geschafft, ohne ins Wasser zu fallen.

Ein Stück weiter geht’s dann die Teerstraße den Pass hoch. Die Steigung ist meistens ok und auch die Temperatur ist angenehm, so dass wir uns Kehre für Kehre den Berg hochschrauben können, ohne ins dabei völlig auszupowern.
Fat Alberto und Moby Dick (oder hieß der Nobby Nic!?) helfen dem ein oder anderen beim Aufstieg.
An einer tollen Gaststätte am Pass kehren wir ein. Ein erstes Hüngerchen hat sich doch schon eingestellt. Da kommt der typische slowenische Strudel „Struggli“ mit Walnüssen gerade recht. Sehr lecker.

Danach geht’s weiter, abseits der Passstraße. Der Weg mit Blick auf die Felskolosse des Triglav-Nationalparks ist super.

Selbst unsere Hyperaktiven müssen zwischendurch mal für einen Fotostopp anhalten. Es ist einfach zu beeindruckend!

Kurz vor der Passhöhe trauen wir unseren Augen nicht – vor uns tut sich ein golftauglicher grüner Teppich auf – gleich von zwei Seiten kommt der Kommentar, dass die dort echt einen Golfrasen für uns ausgelegt haben. Sehr aufmerksam! Ist nicht sehr angenehm zum Fahren (bremst!), sieht aber irre aus.
Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum höchsten Punkt auf 1611 m.

Oben auf der Passhöhe erwarten uns Liegestühle, Radler und Jota-Eintopf.
Dann geht“s wieder runter – erst ein Stück Schotter, dann Teer und dann trennt sich die Gruppe. Die gechillten (nicht zu verwechseln mit Weicheiern!) sausen die unzähligen Kehren auf der anderen Seite des Passes runter. Und warten dann, und warten, … weit über eine Stunde, bis schließlich die ambitionierten (hier sprechen wir keineswegs von Verrückten 😉) ebenfalls am vereinbarten Treffpunkt ankommen, nachdem sie sich den Berg herunter über nicht vorhandene Wege, durch Dickicht und sonstiges Gestrüpp gequält haben. Fahranteil nach Aussage einer vertrauenswürdigen Quelle 20-30%.

Bin ich froh, dass ich da nicht dabei war!
Gemeinsam geht es schließlich weiter entlang der türkisfarbenen Soca, an deren Ursprung wir vorbeigekommen sind. Auch hier gibt es unzählige Fotomotive, und es fällt schwer zu glauben, dass man bei den Bildern nicht mit einem Farbfilter nachgeholfen hat!

Fast wie in der Karibik…

Total happy, aber auch ein bisschen k.o. kommen wir am Spätnachmittag in Bovec in unserem „Hotel Garni Bovec“ an.
Dort gibt es erstmal ein kühles Hopfengetränk. Wir diskutieren über den, der immer in der Mitte des Flusses schwimmt (ist nur was für Insider mit Hang zu schlüpfrigem Humor), und den anderen, der da ganz proaktiv ist… Ich will gar nicht näher darüber nachdenken…
Abends finden wir noch ein Restaurant, das Platz für 12 Leute hat und wir lassen es uns richtig gut gehen (die Forelle von der Soca ist ein Traum!). Als Betthupferl noch einen Aperol Spritz bei angenehmen Temperaturen und dann fallen wir ins Bett.
Tag 3: Bovec – Stol – Kobarid
Was für ein Tag (das genial lass ich heute mal weg, das Fazit am Ende des Tages ist dennoch ein Positives 😊).
Die Sonne lacht uns bereits frühmorgens an. Frohgemut starten wir in den Tag, einige von uns mit der Hoffnung, die etwas kürzere Alternativroute zu fahren (schon mal vorweg: hat nicht geklappt).
Wir fahren nach einem Besuch beim Bäcker, um Proviant für die Tour zu kaufen, alle gemeinsam los.
Diejenigen, die am Vortag nicht in den zweifelhaften Genuss kamen sich in unwegsamem Gelände ihren Weg bahnen zu müssen, haben heute nochmal die Chance. Volltreffer!

Ohne Machete oder Kettensäge ist es schwierig, aber mit vereinten Kräften schaffen wir es nach einer gefühlten Stunde uns aus dem Dickicht zu befreien und wieder auf einen zivilisierten Weg zu gelangen, um hinterher auf dem ebenfalls nicht so gut zu befahrenden Alpe Adria Trail zu landen.

Nach der Aktion können wir uns jedenfalls rühmen, den slowenischen Partisanen-Basis-Kurs an der Soca bestanden zu haben.
Danach geht’s aber erst richtig los. Wir haben schließlich wieder die inzwischen obligatorischen +/- 1200 Höhenmeter vor uns.
Erst geht es die Teerstraße hoch, stetig, aber mit angenehmer Steigung. Nach einem kurzen Hütchenspiel am unbewachten Bauwagen (ich vermute wir hatten schon etwas Sauerstoffmangel) geht es auf zum Teil sehr steinigem Weg immer weiter bergauf.

Und das „immer weiter“ meine ich auch so. Es ist kein offensichtliches Ende des Wegs in Sicht.

Irgendwann sehe ich schon wilde Tiere und höre Stimmen…
Wir schaffen es schließlich doch, den Berg zu erklimmen (unterhalb des „Stol“), wo der Rest der Truppe, der etwas schneller den Berg hochgeeiert ist, bereits ein Nickerchen auf der Wiese macht.

Auch mir schmeckt die Brotzeit nach der Anstrengung und bei dieser traumhaften Aussicht sehr!

Noch kurz einen Moment genießen, dann macht sich eine Horde Rindviecher plötzlich über unsere Fahrräder her, so dass wir uns lieber wieder schnell auf den Weg machen.
Das Panorama ist einzigartig. man sieht sogar bis zum Meer!

Es eignet sich geradewegs dazu endlich mal ein Gruppenfoto mit allen 12 Teilnehmern zu machen, da bisher aus diversen Gründen immer einer fehlte!

Der Trail abwärts ist teils etwas ausgesetzt, aber schön! Meist fahrbar. Und mit einem tollen Blick, unter anderem auf die vielen Gleitschirmflieger, die ab dem „Stol“ ihre Runden drehen.
Dann kommt allerdings ein Stück, das auch unsere besten Mountainbiker kaum fahren können (Kategorie S3), was bedeutet, Fahrrad im steilen Gelände eines Waldes runter schieben, teils tragen. Ziemlich anstrengend.

Auch das schaffen wir schließlich und nachdem unten auf dem Weg noch (gleichzeitig) zwei platte Reifen geflickt wurden, lassen wir es einen schönen langen Waldweg runter laufen. Sogar ich finde den Weg klasse und traue mich schnell zu fahren, ohne plötzliche Panikattacken zu bekommen. Ich denke immer an den Spruch „Geschwindigkeit ist dein Freund“ und jetzt klappt es auch mit mir und dem Weg (auch wenn ich unter Geschwindigkeit sicher was anderes verstehe als der Großteil der Gruppe 😉).
Am Ende stoßen wir wieder auf die türkise Soca und rollen nach Kobarid, unserem heutigen Tagesziel. Diese Nacht sind wir auf zwei Unterkünfte aufgeteilt: „Kotlar Restaurant & Rooms“ und „Hvala Hotel“.
Nach einem dringend notwendigen Radler direkt bei der Ankunft im Ort geht’s ab unter die Dusche und später zum Pizzaessen. Hier ist es am Abend noch so warm, dass man bis spät kurzärmlig draußen sitzen kann (das unterscheidet die Region im Wesentlichen vom Allgäu).
Mit einem „You bring it – we drink it. Schnaps on the House“ geht wieder ein aufregender Tag zu Ende!
Tag 4: Kobarid – Livek – Matajur – San Pietro
Der heutige Tag soll ein Highlight für diejenigen werden, die auf flowige Downhill Trails stehen.
Damit der ein oder andere nicht zu übermütig wird, überlegen wir kurzzeitig, ob wir nicht mit ein bisschen zusätzlichem Gewicht nachhelfen sollen.

Wir verwerfen die Idee schließlich und machen uns ohne extra Ballast auf den Weg.
Erstmal geht es ab Kobarid bei mega Wetter 5 km auf der Straße hoch nach Livek. Hier brauchen wir bereits die erste Pause! Es ist schon am Vormittag unglaublich heiß!

Dann geht es über eine Teerstraße weiter hoch. Eine Teilnehmerin äußert den Kommentar „Schatzi, du gehst mir auf den Sack, jetzt!“ Ich weiß nicht genau warum, aber es scheint ernst zu sein…
Bald danach gehts friedlich weiter und es kommen wieder die geliebten Bobbels, die uns den Aufstieg in Form von größeren, zufällig angeordneten Steinen erschweren.
Ein kurzes Stück des Wegs ist mal wieder ein bisschen unkomoot, aber das kennen wir ja bereits.

Die nächste Pause im Wald ist somit schon vorprogrammiert!

Anschließend geht es weiter über holprige Pisten, bis wir den Blick auf das Tagesziel, den „Matajur“ auf 1642 m haben.
Zu dem Zeitpunkt haben wir bereits ca. 1100 Höhenmeter in den Knochen – daher entscheidet sich ein (vernünftiger) Teil der Gruppe, bestehend aus drei weiblichen Teilnehmerinnen, am besten direkt wieder runter zu fahren statt sich noch eine Stunde weiter den Berg hoch zu quälen, um am Ende feststellen zu müssen, dass der angeblich flowige Trail runter doch nicht so prickelnd ist (Stichwort S2, Kommentar einer tapferen Teilnehmerin, den wir am Abend zu hören bekommen: „Du kannst dem Weg hier nicht trauen – er ist voller Dämonen!“).

Am Gipfel sieht alles noch ganz harmlos aus. Aber nicht umsonst wird der Matajur Berg im Laufe der Abfahrt bzw. des Abstiegs in “Monte Martyrium” umgetauft!

Bei der Runterfahrt gibt es wohl die ein oder anderen Ausrutscher bzw. Abstiege, aber alle schaffen es durch den Trail und niemand wird dem Berg geopfert.

Später heißt es Fahrradkette bilden, um gewisse Hindernisse zu überwinden. Dank Team-Work klappt das sehr gut.

Manch einer hätte zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich lieber sein Bike an den Nagel gehängt…
Aber nix da – die Tour muss schließlich weitergehen! Und ab der Hälfte wird der Trail wohl doch noch recht cool!

Für uns drei Mädels dagegen ist es ganz gechillt. Unsere Abfahrt ist flowig und macht Spaß.
Als der Weg wieder zur Teerstraße wird, hat uns tatsächlich noch jemand eine Picknickbank hingestellt!

Wir haben alles richtig gemacht!

Wilde Tiere beim gemütlichen Bergabfahren…

Und einfach schöne Landschaft.
Zwei Stunden nach unserer Ankunft in dem Agriturismo “Monte de Rei“ bei San Pietro (Nähe Cividale) kommt schließlich der geschundene Rest der Mannschaft an. Die Botschaft, die ich vernehme, ist: “Gut, dass ihr nicht mitgefahren seid – hätte euch nicht gefallen!”). Ist also doch sinnvoll, wenn man seiner natürlichen Eingebung folgt!

Das italienische Abendessen ist üppig und schmeckt gigantisch! Kaum zu glauben, dass wir jetzt schon in Italien sind!
Mehr Fotos des Tages gibt es nicht, aber dafür Sprüche ohne Ende…
Nur um ein paar zu nennen:
“Mir ist nicht mal der Name von … eingefallen. Ich hatte keinen Sauerstoff mehr im Gehirn. Ich konnte mich nur an “Shuttle Joe” erinnern!
“I’m kaputt!”
“Du kannst dem Weg hier nicht trauen – der ist voller Dämonen.”
“Ich habe meinem Fahrrad heute mal eine artgerechte Anwendung präsentiert. Das Fahrrad gab mit so viel positives Feedback!”
Hatte ich bereits erwähnt, das ich froh bin diese Tor(tour) nicht auf mich genommen zu haben…?
Allerdings gibt es im Agriturismo „Tortina“ als Vorspeise, nicht „tortura“, wie zu vermuten gewesen wäre.
Aber das war’s noch nicht mit Sprüchen. Wir hätten auch noch dies im Angebot:
„Ich hab schon viel erlebt, aber das blanke Schwert hat dich bewährt.“ – Keine Ahnung was das bedeuten soll 😉.
„Jetzt heißt es Komoot, früher hieß es Just do it!“
„Ein Prost auf den Mann mit der längsten Ro(u)te.“ Kann mir jemand sagen, wie man das richtig schreibt…?
„Die Ladies sind sehr knitterfrei.“ 😳
„Im Angesicht des Todes fühlt man sich so lebendig.“
Mehr kann ich zu diesen Tag nicht sagen! Ein Erlebnis auf allen Ebenen.
Tag 5: San Pietro – Gorizia
Inzwischen ist es so weit – wir haben das Zeitgefühl verloren (Urlaub!!!). Wenn jemand fragt, welcher Tag heute eigentlich ist, lautet die Antwort nur noch „Tag 5“.
Aber auch so einen Kommentar hören wir gleich in der Früh: „Wie kann man es am fünften Tag immer noch vergessen seinen Rucksack mitzunehmen…“ – Das ist vielleicht einfach nur ein Zeichen, dass der Urlaub noch viel länger sein müsste, damit man sich auch richtig daran gewöhnen kann…
Der heutige Tag war in der Planung ursprünglich mit zwei Optionen drin. Einmal etwa 1000 Höhenmeter und wellenförmiges Höhenprofil, einmal etwa 700 m hoch und etwas weniger Kilometer. Nach dem gestrigen Tag (und Abend) waren sich alle einig es heute etwas ruhiger angehen zu lassen. Unser „Guide“ hat deshalb noch eine Variante mit ca. 500 Höhenmetern gefunden, und etwa 40 km. Perfekt.
Bereits in der Früh ist es sehr warm. Wir starten kurz auf einem normalen Weg, aber dann nimmt das Abenteuer seinen weiteren Lauf.

Bevor wir uns aber wieder einmal durch Dickicht im Wald entlang eines Flusses quälen dürfen (bei tropischer Luftfeuchtigkeit), müssen wir zunächst eine moosige Furt überqueren.
Ab in den Dschungel.

Anschließend müssen wir noch eine äußerst fragile und stark in die Jahre gekommene (eigentlich gesperrte) Brücke überqueren.

Alles kein Problem, aber jetzt bevorzugt jeder dann doch eine schön asphaltierte Straße!
In Cividale trinken wir gemütlich einen Cappuccino, es tröpfelt ab und zu ein bisschen, aber vom richtigen Regen bleiben wir verschont.

Wir fahren nun durch eine schöne Weingegend (mittlerweile sind wir wieder in Slowenien), die ein bisschen der Toskana ähnelt.

Allmählich kommt schon wieder etwas Hunger auf. Der Versuch, Essen to go zu bestelle, scheitert allerdings.

Also strampeln wir noch ein bisschen den Berg hoch, bis wir ein Restaurant mit einem gemütlichen Biergarten finden. Nach der Mittagspause müssen wir nochmal 200 Höhenmeter bei gut 32 Grad schaffen. Gut, dass wir nur zwei Liter Wein zum Essen bestellt haben!
Aus „Shuttle-Joe“ ist übrigens heute endlich der „Sattel-Joe“ geworden und wir sind glücklich eine ganze Tagesetappe mit allen 12 Leuten zu bestreiten.

Ob es allerdings smart ist bei etwa 35 Grad und brütender Hitze zu radeln, ist zu bezweifeln – ich würde sagen „no“. Gut, dass es heute nicht so weit ist, dank der geänderten Route.
Am Spätnachmittag kommen wir im „Dal Rosso“ in Gorizia (wieder Italien) an.
Nach kurzer Dusche geht es runter in den Garten, etwas Kühles trinken, in den Pool hüpfen und einfach nur entspannen.

Abendessen gibt es im improvisierten Gartenrestaurant. Da die Gastgeber mangels Kenntnis unseres großen Durstes nur vier (!) Flaschen Wein besorgt hatten, wird es ein zivilisierter Abend und wir können morgen früher als sonst starten.

Nachdem allerdings die geplanten 1000 Höhenmeter und über 60 km laut ursprünglicher Planung von der Gruppe als zu optimistisch bewertet werden, lautet die Ansage unseres Guides jetzt „Neue Route für morgen – etwas weniger Höhenmeter, und ich hab den Dschungelmodus ausgeschaltet.“ Wenn das mal nicht vielversprechend klingt!
Das Abendessen erfolgt somit gelassen, ohne weitere Besonderheiten bis auf einen kleinen Essens-Faux-Pas, der Kommentare wie „Die Goldmedaille für unfallfreies Essen bekommst du jetzt nicht mehr!“ nach sich zieht, und politische Statements wie „Besser Querlieger als Querdenker!“. Na dann gute Nacht!
Tag 6: Gorizia – Triest
„Letzter Tag und noch immer alle da!“
Was will man mehr?
Früh geht es los, einerseits wehmütig, weil heute der letzte Fahrtag ist, andererseits freuen sich meine Muskeln und mein Po auch auf baldige Entspannung.
Die Route führt uns größtenteils über Straße, aber unser Guide enttäuscht uns auch heute nicht und hat noch einen nicht offensichtlich erkennbaren Weg für uns geroutet, den wir diesmal aufgrund gewisser Abenteuermüdigkeit an Tag 6 doch lieber nicht nehmen. Wir wollen jetzt einfach schnell ans Meer!

Das kommt nach einer kleinen Pause mit Focaccia und Cappuccino auch endlich in Blickweite, während wir weiter auf schönen Pisten durch Pinienwälder Richtung Triest rollen (oder auch „Trist“, wie ein angehender Tourguide einer anderen deutschen Truppe es genannt hatte).

Wir haben es fast geschafft – ein geiles Gefühl!
Jetzt geht’s ab und zu nochmal über Holperwege immer näher an unser Ziel.

Unten!!! Und keiner hat sein Rad ins Meer geschmissen. Alle sind happy!

Der kulturelle Teil des Tages besteht aus der Besichtigung des Castello di Miramare (von außen) bei einem leckeren Gelato.

Etwa 5 km vor Triest finden wir die wahrscheinlich allercoolste Bar in der Gegend – es gibt Aperol Spritz, Schatten, eine Brise vom Meer und viele glückliche Gesichter. Endlich Urlaub! 😉

So chillig!

Warum gibt’s so eine Bar nicht in Betzigau…?

Jetzt sind wir da!!!!!!! In Triest an der Mole. Man könnte fast heulen – soooo schön!
Circa 333 Kilometer, 6000 Höhenmeter und unvergessliche Tage liegen hinter uns. Die brennenden Oberschenkel, blauen Flecken, verkratzten Waden und Brombeerstrauchdornen im Ohr sind sogleich vergessen.

Jippie! Auch wenn es anders aussieht, sie ist freiwillig gesprungen!
Wir beziehen unsere Airbnb Unterkünfte mitten in der Altstadt von Triest (zwei Wohnungen, eine für vier, eine für acht Personen), direkt im Viertel wo (vor allem abends) so richtig was los ist.
Frisch geduscht und mit unseren neuen Ausgehklamotten, die wir von Kempten nach Triest schicken haben lassen, stürzen wir uns ins Nachtleben der Stadt. Entgegen unserer Erwartung hat die Altstadt von Triest viel Flair.

Zunächst gibt es Abendessen im „Da Navigando“ – vor allem Fisch! Sehr lecker!
Nach Sonnenuntergang spazieren wir zur Mole.

Danach finden wir einen schönen Platz in einer der belebten Bars ganz in der Nähe unserer Unterkünfte (draußen natürlich – bei Temperaturen um die 25 Grad), trinken Cocktails und staunen.
Wie die Leute hier rumlaufen, zu Tausenden, und wie viele sich für uns extra schick gemacht haben… Pura Vida! Einige der weiblichen Kandidatinnen sind zudem sehr „ressourcenschonend“ unterwegs, was die Größe ihrer Kleidungsstücke angeht.
Dies wiederum provoziert folgenden Kommentar eines männlichen Teilnehmers: „Nachdem wir jetzt so viel Natur gesehen haben, ist es auch schön mal Menschen zu beobachten. Die ganze Zeit hab ich immer nur eure Ärsche von hinten gesehen.“ – Hier gibt es nichts hinzuzufügen 😊, außer dass es spät wird bis wir ins Bett fallen.
Erster Tag danach: Triest
Endlich ausschlafen, dann gemeinsames Frühstück beim „Mug“ und bummeln. Irgendwie bewegen wir uns alle in Zeitlupe – wir haben ja auch keine Eile.

Die Touristen, die die riesigen Kreuzfahrtschiffe am Hafen ausspucken, haben sicher heute ein strafferes Programm als wir.
Wir genießen einfach die Stadt und das Wahnsinnswetter.

Jetzt kommt noch ein kleines Bilderrätsel: Wem gehört welche Wade und wer hat die meisten Schrammen?

Als Hilfestellung dient das Bild unten – zudem ist das der Beweis, dass wir auch nach einer Woche intensiver MTB-Tour zu zwölft noch immer freiwillig den Tag gemeinsam verbringen 😂.

Spätestens mit unseren Stoffbeuteln outen wir uns als deutsche Touris.

Von antiker bis moderner Kunst bietet die Stadt einiges.

Jetzt ist es aber gut mit der Kultur. Es ist viel zu heiß! Ab zum Strand.

Ein Shuttle-Boot bringt uns in 15 Minuten zum Strand von Barcola.

Unter den Pinien lässt es sich aushalten und das Wasser ist genial. Ich hätte nie gedacht, dass man in der Nähe von Triest so toll baden kann.

Bei der Rückfahrt mit dem Boot ziehe ich mein „Mützchen“ auf, das ich den ganzen Urlaub nicht gebraucht habe. So brennt mir die Sonne dann nicht ganz so stark auf den Scheitel.
Zurück in der Stadt machen wir uns frisch und ruhen uns (nach dem anstrengenden Tag 😎) etwas aus.
Dann schöpfen wir wieder aus dem Vollen und machen uns schick für unseren letzten Abend.

Das Orga-Team hat als Erinnerung an eine knitterfreie Woche noch ein ausgedrucktes Gruppenfoto bekommen, mit Unterschriften von allen. Sehr süß!
Den restlichen Abend genießen wir ausführlich mit leckerem Fisch und vielen Cocktails…
Tag der Heimreise
Es ist so weit – wir müssen wieder zurück. Sehr schade!

Um 9 Uhr holt uns der gebuchte Shuttle ab. In gut drei Stunden geht es nach Faak – direkt bis zur Pension, wo wir vor genau einer Woche unsere Autos und den Anhänger stehen gelassen haben.
Wir laden die Räder um und gehen noch auf einem Campingplatz am Faaker See zum Essen. Ein letztes gemeinsames Mittagessen – schnief!
Gerade als wir wieder gehen wollen, bricht ein Gewitter los und es fängt an zu schütten.

Wie nach dem Essen am Abend in Kranjska Gora, müssen wir uns wieder Schirme ausleihen, zumindest bis zum Ausgang des Campingplatzes.

Danach holen die Fahrer die Autos. Und so ergibt sich der letzte Spruch einer unvergesslichen Tour: „J… holt das Auto. Jetzt wird er seinem Namen als Shuttle Joe endlich mal gerecht!“
Na dann, bis zum nächsten Abenteuer!